Match nach Mitternacht
Ich heisse Janine, 23, und mixe Drinks in einer Hotelbar in Schwabing, vier Sterne, viele Geschaeftsreisende, viele lange Naechte. Schicht bis drei. Daniel hat mir auf Gastrosingles geschrieben, kurz vor zwei, von der Couch in seiner WG in Sendling. Er fuhr damals noch Pizza fuer einen Lieferdienst am Goetheplatz, abends bis Mitternacht, manchmal laenger, wenn der Freitag verrueckt wurde.
Seine erste Nachricht: "Brunch um eins, irgendwo zwischen unseren Schichten?" Keine Floskeln, keine drei Tage Pause. Ich tippte zurueck: "Cafe Reitschule, halb zwei. Kaffee zuerst, dann reden."
Das erste Treffen
Er sass am Fenster, dunkler Pulli, wache Augen trotz vier Stunden Schlaf. Ich bestellte Eier Benedict. Wir redeten ueber Trinkgeld, ueber Stammgaeste, ueber Kollegen, die einen retten, wenn der Schaeumer kaputt geht. Nicht ueber Filme. Nicht ueber Sternzeichen.
Nach zwei Stunden stand er auf und sagte: "Naechste Woche freier Montag. Wieder hier?" Es fuehlte sich nicht an wie ein zweites Date. Es fuehlte sich an wie ein Plan.
Das mit den Schichten
Daniel begann sechs Wochen spaeter eine Kochlehre in einem Bistro in der Maxvorstadt. Pizza-Fahren war ihm zu wenig, er wollte in die Kueche. Die Lehre bedeutete: halb so viel Geld, frueh raus, oft am Wochenende. Wir haben fast nicht darueber diskutiert. Wer in der Gastro lebt, weiss, dass Partnersuche fuer Koeche selten ueber den klassischen Samstagabend laeuft.
Unsere Stunden waren absurd. Ich kam um halb vier heim, er stand um sechs auf. Drei Tage konnten vergehen, ohne dass wir uns wach sahen. Wir lernten schnell: keine wichtigen Gespraeche per WhatsApp nach Mitternacht. Streit nur ausgeschlafen, also nie.
Zusammenziehen
Nach acht Monaten zogen wir in eine kleine Wohnung in der Maxvorstadt. Erdgeschoss, Hinterhof, Verdunklungsvorhaenge. Wir streiten am Anfang viel ueber Geraeusche und ueber den Muell, den keiner rausbringen will, weil immer einer schlaeft. Dann gewoehnten wir uns einen Zettel am Kuehlschrank an. Wer was gemacht hat, wer was braucht. Banaler geht es nicht. Es funktioniert.
Was bleibt
Wir sind seit anderthalb Jahren zusammen. Kein grosser Heiratsplan, kein Resort, kein Datum. Daniel ist im zweiten Lehrjahr, ich denke ueber Barchefin nach. Wir reden manchmal vage von einer eigenen kleinen Bar in ein paar Jahren, mehr nicht.
Was uns traegt, ist banal: gemeinsamer freier Montag, ein breites Bett, zwei Kaffeemaschinen. Daniel kommt heute Abend um halb zwoelf, ich gegen halb vier. Wir treffen uns am Kuehlschrank, essen Kaesebrot, gehen schlafen. Das ist unsere Beziehung. Das reicht.
