Sarah Wiener ist eine der wenigen Koechinnen, die du genauso wahrscheinlich in einer Kueche, in einer Talkshow oder auf einer Politik-Buehne in Bruessel triffst. Geboren 1962 in Halle, aufgewachsen in einer oesterreichischen Familie, lebt und arbeitet sie seit Jahrzehnten in Berlin. Du kennst sie wahrscheinlich aus dem TV, aber ihr eigentliches Werk ist groesser: ein Gastro-Imperium mit Catering, Restaurants und einem Cafe im Hamburger Bahnhof, eine Stiftung fuer Kinder-Ernaehrung und fuenf Jahre als Abgeordnete im Europaparlament. Kochen, Bildung und Politik gehoeren bei ihr zusammen. Wer ihr zuhoert, merkt schnell: Essen ist fuer sie nie nur Geschmack, sondern eine Frage davon, wie wir leben wollen.
Karriere: Von Wien nach Berlin
Sarah Wiener kam 1962 als Tochter des oesterreichischen Schriftstellers Oswald Wiener in Halle zur Welt. Die Familie war kuenstlerisch gepraegt, das Geld knapp, der Ton oft rau. In jungen Jahren ging sie zurueck nach Oesterreich, lebte in Wien, brach Schule und Lehre ab und probierte sich durch. Mit Anfang zwanzig landete sie in Berlin, damals noch Mauerstadt mit Hinterhof-Lokalen und einer Subkultur, die viele Lebenswege moeglich machte.
Sie stieg ueber das Catering ein, kochte fuer Filmsets, Galerien und Theaterproduktionen. Wer in den 90ern in Berlin eine Premiere oder eine Vernissage gab, kam an ihr kaum vorbei. Aus dem Catering wuchs eine kleine Firma, dann ein Team. Sarah Wiener war Autodidaktin, hatte nie eine klassische Kochlehre gemacht. Genau das wurde Teil ihrer Marke: pragmatisch, regional, ohne den hierarchischen Drill klassischer Stargastronomie.
Ende der 90er und Anfang der 2000er folgten die ersten eigenen Lokale. Berlin wurde zum Labor fuer eine Bio-Bewegung, die damals noch belaechelt wurde. Sarah Wiener stand mittendrin. Ihre Linie: gute Produkte, klare Herkunft, kein Schnickschnack. Diese Haltung trug sie spaeter in alle anderen Rollen mit.
Was sie von vielen TV-Koechen unterscheidet: Sie hat den ganzen Weg selbst gemacht. Kein Sterne-Coach, kein Mentor mit grossem Namen, kein Marketing-Team in der Anfangsphase. Sie hat Rechnungen geschrieben, Personal eingestellt, sich mit Behoerden gestritten. Das hoert man ihr bis heute an, wenn sie ueber Gastronomie spricht. Sie redet wie eine Unternehmerin, nicht wie ein Aushaengeschild.
Gastronomie-Imperium
Das Aushaengeschild war jahrelang "Sarah Wieners Restaurant" im Hamburger Bahnhof, dem Museum fuer Gegenwartskunst in Berlin-Moabit. Restaurant und Cafe gehoerten zusammen, das Publikum war eine Mischung aus Kunstszene, Touristen und politischem Berlin. Hier verband sich ihre Idee von Essen mit Kultur: regional, saisonal, mit klarer Bio-Linie, aber nie esoterisch.
Parallel lief das Catering weiter, mittlerweile mit groesseren Auftraegen aus Politik, Wirtschaft und Filmindustrie. Spaeter kam Schloss Diedersdorf suedlich von Berlin dazu, ein historisches Anwesen mit Schloss-Cafe, Veranstaltungsflaechen und einem Hofladen-Charakter. Diedersdorf wurde ueber die Jahre nicht nur Geschaeftsadresse, sondern auch ihr Lebensmittelpunkt.
Dazu kommen weitere Bio-Cafes, Buchprojekte und Kooperationen mit Lebensmittel-Marken. Die Linie bleibt: kleine Strukturen, regionale Lieferanten, nachvollziehbare Herkunft. Wer in der deutschen Bio-Gastro etwas vorhat, kennt ihre Adresse. Im Lauf der Jahre hat sie mehrere Konzepte wieder geschlossen oder uebergeben, wenn sie nicht mehr trugen. Auch das gehoert dazu und ist bei ihr ungewoehnlich offen kommuniziert. Wachsen, schrumpfen, neu aufsetzen, das ist bei Sarah Wiener Teil des Modells, nicht das Eingestaendnis eines Misserfolgs.







