Tim Raue ist die wohl lauteste Stimme der Berliner Sterne-Gastronomie. Sein gleichnamiges Restaurant in der Rudi-Dutschke-Strasse in Kreuzberg fuehrt seit 2012 zwei Michelin-Sterne und steht fuer eine asiatisch inspirierte Kueche, die mit klassischen Beilagen, Brot und Butter bewusst bricht. Wer Tim Raue verstehen will, kommt an seiner Biografie nicht vorbei: aufgewachsen in den 1970er und 1980er Jahren in Kreuzberg, frueh in der Strassengang 36 Boys, spaeter Lehrling im Hotel Inter-Continental Berlin. Diese Bruchlinie zwischen Kiez und Sterneetage prägt bis heute seinen Ton in Interviews, im Buch und auf dem Teller. Du bekommst hier die Fakten zu Karriere, Restaurants, Netflix-Auftritt, Buechern und Privatleben in einer kompakten Uebersicht.
Karriere: Vom Strassenjungen zum 2-Sterne-Koch
Tim Raue wurde 1974 in West-Berlin geboren und wuchs in Kreuzberg auf. Als Jugendlicher gehoerte er zur Strassengang 36 Boys, die im damaligen SO 36 fester Bestandteil der Kiezgeschichte war. Den Weg in die Kueche fand er ueber eine klassische Ausbildung zum Koch im Hotel Inter-Continental Berlin, die er 1993 abschloss. Es folgten Stationen, die fuer die Berliner Spitzenkueche der 1990er und 2000er Jahre stehen: das Restaurant Rosenkavalier, das Restaurant 44 im Swissotel und schliesslich das Restaurant Ma im Hotel Adlon Kempinski, das er als Kuechenchef fuehrte und 2007 mit einem Michelin-Stern auszeichnen liess.
2010 zog er den Schlussstrich unter die angestellte Karriere und eroeffnete gemeinsam mit seiner damaligen Ehefrau Marie-Anne Raue das Restaurant Tim Raue in der Rudi-Dutschke-Strasse. Schon 2011 folgte der erste eigene Michelin-Stern, 2012 der zweite. Damit war Raue im engen Kreis der zweifach besternten Koeche Berlins angekommen. Der Aufstieg vom Lehrling im Hotelbetrieb zum Inhaber eines der renommiertesten Restaurants der Stadt vollzog sich in weniger als 20 Jahren. Heute ist er nicht nur Koch, sondern auch Unternehmer, Buchautor und Medienfigur, der sich in Interviews regelmaessig zur Lage des Gewerbes aeussert.
Auffaellig in seiner Biografie ist die direkte Sprache. Raue weicht weder dem Thema Gewalt in der Jugend aus noch der Frage, was harter Druck in Kuechen anrichtet. Damit besetzt er einen Platz, den die deutsche Spitzengastronomie sonst eher nicht beschreibt: jenseits von Connaisseur-Romantik und Hochglanz-PR. Im Branchenmedium und in TV-Talks aeussert er sich zu Mehrwertsteuer, Personalmangel und Trinkgeld so klar wie zu Saucen und Aromen.
Restaurant Tim Raue Kreuzberg
Das Restaurant Tim Raue liegt in der Rudi-Dutschke-Strasse 26 in Berlin-Kreuzberg, einen kurzen Fussweg vom Checkpoint Charlie entfernt. Der Saal ist bewusst klein gehalten, die Atmosphaere wirkt eher wie ein Salon als wie ein klassisches Sterne-Restaurant. Zwei Michelin-Sterne haelt das Haus seit 2012, im Guide MICHELIN Deutschland 2025 sind sie bestaetigt. Historisch wurde das Restaurant zudem im Bereich von rund 19 Punkten im Gault-Millau gefuehrt.
Stilistisch verbindet Raue Aromen aus Japan, Thailand und China mit franzoesischer Technik. Klassisch verzichtet seine Kueche auf Brot, Butter und Beilagen wie Kartoffeln, Reis oder Nudeln. Stattdessen rahmen Saucen, Dips und Texturen den Hauptbestandteil, oft Fisch oder Krustentier. Beim Preisniveau bewegt sich das Haus auf dem Level vergleichbarer Zwei-Sterne-Adressen in Deutschland: Die grossen Menues liegen im hohen dreistelligen Bereich pro Person, dazu kommen Wein- oder alkoholfreie Begleitungen. Reservierungen sind meist Wochen im Voraus noetig, vor allem an Wochenenden.
Im Service setzt das Haus auf eine eher reduzierte Geste. Es gibt keine Tischdecken, der Raum bleibt ruhig, der Servicestil ist informiert, aber nicht ehrfuerchtig. Die Karte wechselt mit den Saisons, einzelne Signaturgerichte begleiten das Restaurant ueber Jahre und werden in feinen Schritten weiterentwickelt. Wer die Kueche zum ersten Mal isst, sollte sich auf wenig vertraute Aroma-Kombinationen einstellen: scharfe Currypaste mit Wildfang-Garnelen, fermentierte Komponenten mit Wagyu, Wasabi und Saiblings-Kaviar. Genau diese Klarheit hat das Restaurant zu einer der meistdiskutierten Sterneadressen Berlins gemacht.







