Es ist Sonntagabend, kurz vor zehn, und sie steht am Tresen ihres eigenen Lokals. Die Küche ist geschlossen, zwei Tische sitzen noch bei einem letzten Glas, das Personal räumt ab. Sie hat heute achtzehn Reservierungen abgewickelt, einen Ausfall in der Küche kompensiert, die Bestellung für Montag geschrieben. Ihr Handy zeigt eine Nachricht von einem Mann, den sie vor zwei Wochen getroffen hat: „Wollen wir am Wochenende was machen?" Sie liest sie, seufzt, und weiß, dass sie es wieder erklären muss.
„Wirtin sucht Mann" steht in keinem Fernsehprogramm. Das Klischee heißt „Wirt sucht Frau", der einsame Gastwirt, dem die passende Partnerin fehlt. Doch die weibliche Version dieses Problems ist genauso real und in mancher Hinsicht härter. Denn eine Frau, die einen Betrieb allein führt, kämpft nicht nur mit den Arbeitszeiten, sondern mit einem Rollenbild, das ihr im Weg steht.
Die Wirtin gibt es, das Klischee hat sie nur übersehen
Der Begriff „Wirt sucht Frau" stammt aus einer Zeit, in der der Landgasthof ein Familienbetrieb war, den der Sohn übernahm und in den die Frau einheiratete. Dieses Bild sitzt tief, obwohl es die Gegenwart kaum noch trifft. In den Städten und in den modernen Gastro-Konzepten führen Frauen längst einen erheblichen Teil der Betriebe, als Inhaberinnen, Gründerinnen, Pächterinnen. Sie tragen dieselbe Last wie ihre männlichen Kollegen: sechs Tage die Woche, Abenddienst, Wochenendarbeit, die volle finanzielle Verantwortung.
Was sie zusätzlich tragen, ist ein Erwartungsdruck, den ein Wirt selten spürt. Von einer Frau wird im privaten Bild noch immer eine gewisse Verfügbarkeit erwartet, Zeit am Wochenende, gemeinsame Abende, die Rolle der Kümmerin. Eine Wirtin kann genau das nicht liefern, weil ihr Betrieb an denselben Tagen läuft, an denen andere Paare frei haben. Wie umfassend dieser Strukturdruck die ganze Branche prägt, zeigt der Hub Wirt sucht Frau mit den vollständigen Zahlen zum Landgasthof-Sterben.
Das doppelte Vorurteil
Wer als selbstständige Gastronomin datet, stößt auf zwei Hürden gleichzeitig, und beide haben wenig mit ihr als Person zu tun.
Die erste ist die Zeit. Ein Mann, der sich einen klassischen Beziehungsrhythmus vorstellt, mit gemeinsamem Wochenende und planbaren Abenden, wird schnell frustriert, wenn die Frau freitags und samstags im Dienst ist. Das ist dieselbe Zeitverschiebung, die auch männliche Gastronomen erleben, nur trifft sie Frauen oft mit weniger Nachsicht. Ein Wirt, der arbeitet, gilt als fleißig. Eine Wirtin, die arbeitet, wird schnell gefragt, ob sie denn „gar keine Zeit" habe.
Die zweite Hürde ist das Rollenbild. Eine Frau, die einen Betrieb führt, Personal anweist, mit Lieferanten verhandelt und über Investitionen entscheidet, verkörpert eine Stärke, die manche Männer als Bedrohung lesen statt als Attraktivität. Wer eine Partnerin sucht, die er versorgen und führen kann, ist mit einer Wirtin überfordert. Das klingt hart, ist aber eine nützliche Information: Genau diese Männer sortieren sich von selbst aus, und das ist kein Verlust. Ähnlich funktioniert die Dynamik übrigens bei allen selbstbewussten Frauen der Branche, etwa bei der Barkeeperin auf Partnersuche.

