Das Saarland ist klein. Rund 2.570 Quadratkilometer, knapp eine Million Einwohner, im Südwesten zwischen Rheinland-Pfalz und der französischen Region Grand Est eingeklemmt. Genau diese Lage macht das Bundesland gastronomisch spannend. Französische Esskultur trifft auf deutsche Wirtshaus-Tradition, dazu kommt ein Industrie-Erbe aus Bergbau und Stahl, das die Region bis heute prägt. Mittendrin steht DEHOGA Saarland, der Landesverband im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, mit Sitz in Saarbrücken. Du bekommst hier den Überblick: Wer führt den Verband, welche Themen treibt er 2026, warum hat das kleinste Flächen-Bundesland eine überraschend hohe Sternedichte, und wie wichtig sind Völklinger Hütte und Saarschleife für den Tourismus? Wenn du im Saarland kochst, servierst oder ein Haus führst, lohnt sich der Blick auf den eigenen Verband.
DEHOGA Saarland: Zahlen & Fakten
Die Geschäftsstelle liegt in Saarbrücken, der Landeshauptstadt. Bei einem Bundesland dieser Grösse ist das logisch: Jeder Mitgliedsbetrieb erreicht die Geschäftsstelle in unter einer Autostunde. Saarlouis, Völklingen, Neunkirchen, Homburg, Merzig, alles innerhalb kurzer Wege. Das ist ein operativer Vorteil, den größere Flächenverbände nicht haben.
Laut DEHOGA Saarland liegt die Mitgliederzahl je nach Stichtag und Zählweise zwischen rund 1.500 und 2.500 Betrieben. Damit ist DEHOGA Saarland der kleinste Flächen-Landesverband der Bundesorganisation. Nur die Stadtstaaten Bremen und Hamburg liegen in einer ähnlichen Grössenordnung. Klein heißt aber nicht schwach: Die Mitgliederdichte pro Einwohner ist hoch, der Draht in die Landespolitik kurz, und Hauptgeschäftsführer Frank C. Hohrath taucht regelmäßig in saarländischen Pressestatements auf. Hohrath führt den Verband operativ, koordiniert Tarifgespräche, Pressearbeit und Lobbyarbeit im Landtag Saarbrücken und vertritt das Saarland im Bundes-DEHOGA in Berlin.
Strukturell ist die Mitgliedschaft typisch für das Land: viel Mittelstand, viele Familienbetriebe, einige größere Hotels in Saarbrücken und im Bostalsee-Raum, dazu eine wachsende Zahl französisch geprägter Bistros und Brasserien entlang der Grenze. Hotelketten gibt es, aber die landschaft wird eher von inhabergeführten Häusern bestimmt.
Aufgaben & Schwerpunkte
DEHOGA Saarland macht drei Dinge gleichzeitig: Politik, Service, Imagepflege. Politisch sitzt der Verband in Saarbrücken nah am Landtag und am Wirtschaftsministerium. Die Wege sind kurz, ein Termin bei der Ministerpräsidentin oder beim Wirtschaftsminister ist im Saarland keine Mammutaufgabe. Das nutzt der Verband, für MwSt-Lobbyarbeit, für Tourismus-Förderung und für die Position der Gastronomie im laufenden Strukturwandel.
Ein eigenes Profil hat die Grenzgastronomie. Lothringen liegt direkt nebenan, Metz ist eine Autostunde von Saarbrücken entfernt. Pendler-Gastronomen, französische Mitarbeiter, deutsch-französische Speisekarten, gemeinsame Tourismus-Initiativen, das ist saarländischer Alltag. DEHOGA bringt sich in Themen wie Mehrwertsteuer-Unterschiede zwischen Deutschland und Frankreich, gegenseitige Berufsanerkennung und grenzüberschreitende Ausbildung ein.
Industrie-Tourismus ist der dritte Schwerpunkt. Die Völklinger Hütte ist seit 1994 UNESCO-Welterbe, das einzige Welterbe-Industriedenkmal aus der Hochzeit der Eisen- und Stahlindustrie. Konzerte, Ausstellungen und Industrial-Tourism-Formate ziehen jährlich Besucher an, die übernachten und essen. Dazu kommt die Saarschleife bei Mettlach mit dem Aussichtspunkt Cloef, eines der meistfotografierten Naturmotive im Südwesten. Beide Magneten sind für das Gastgewerbe wichtige Traffic-Treiber.
Ausbildung im Saarland
Die Ausbildung im Gastgewerbe läuft im Saarland über die IHK Saarland mit Sitz in Saarbrücken. Sie ist zuständig für alle gastronomischen und hotelnahen Berufe: Koch und Köchin, Fachkraft für Gastronomie, Restaurantfachleute, Hotelfachleute, Fachleute für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie. DEHOGA stellt Prüfer in den Ausschüssen und kooperiert mit den Berufsschulen, vor allem dem BBZ Saarbrücken und Standorten in Saarlouis.
Ein Saarland-spezifischer Vorteil ist die Grenznähe. Praktika in Metz, Forbach oder Saargemünd sind organisierbar, einige saarländische Auszubildende sammeln französische Küchen-Erfahrung schon während der Lehre. Umgekehrt arbeiten französische Praktikanten in saarländischen Sterneküchen mit. Das ist nicht flächendeckend, aber ein klares Plus gegenüber Binnenstandorten.
Auch die Spitzenküche selbst ist Ausbildungsfaktor: Wer im GästeHaus Klaus Erfort eine Station läuft, hat das im Lebenslauf wie ein Güteseigel. Das zieht Lehrlinge und junge Köche von außerhalb an, was die kleine saarländische Branche personell stärkt.
Aktuelle Themen 2026
Drei Themen dominieren die Verbandsarbeit. Erstens die Mehrwertsteuer. Der reduzierte Satz auf Speisen ist nach dem Hin und Her der letzten Jahre ein Dauerthema, gerade für Betriebe in einem Bundesland mit hoher Familienbetrieb-Quote. DEHOGA Saarland positioniert sich klar für einen dauerhaft niedrigen Satz und liefert Argumente aus der Praxis: enge Margen, hohe Energiekosten, Investitionsstau in vielen Landgasthöfen.
Zweitens der Strukturwandel. Bergbau ist Geschichte, Stahl schrumpft seit Jahrzehnten. Das Saarland sucht neue Wirtschaftsfelder, Tourismus und Gastgewerbe gehören dazu. Der Verband argumentiert in Saarbrücken regelmäßig, dass Hotellerie und Gastronomie als Arbeitgeber, Steuerzahler und Imageträger ernst genommen werden müssen, gerade wenn klassische Industriearbeitsplätze wegfallen.
Drittens die Tourismus-Vermarktung. Das Saarland ist überregional unterschätzt. Die Tourismus Zentrale Saarland und der Verband arbeiten gemeinsam an Kampagnen, die Welterbe, Saarschleife und Genuss zu einem Profil verbinden. Stichworte: Industriekultur, französischer Lebensstil, kleine Sterne-Dichte. Wer hier Personal sucht oder selbst sucht, profitiert davon, dass das Profil schärfer wird.
Ein viertes Querschnittsthema ist der Fachkräftemangel. Auch das Saarland hat zu wenig Köche, zu wenig Servicekräfte, zu wenig Hotelfachleute. Anders als in Großstädten ist der Wettbewerb um Personal aber nicht zwischen Kettenhotels und Mittelstand, sondern zwischen saarländischen Familienbetrieben und französischen Arbeitgebern jenseits der Grenze. Wer in Saargemünd, Forbach oder Metz arbeitet, pendelt, verdient nach französischem Tarif und fällt in der saarländischen Statistik aus. DEHOGA Saarland thematisiert das in Berlin und Saarbrücken regelmäßig, mit Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, klareren Karrierepfaden und einer ehrlichen Ausbildungsvergüteung. Wer als junger Mensch überlegt, im Saarland in die Gastronomie zu gehen, findet im Verband für diese Fragen einen Ansprechpartner.
Strukturell laufen daneben Dauerthemen wie Energiepreise, Bürokratie-Abbau, Mindestlohn-Wirkung auf saarländische Lohnniveaus und die Digitalisierung der Kassensysteme. Nichts davon ist saarlandspezifisch, aber fast alles trifft kleine Betriebe härter als große, und kleine Betriebe sind im Saarland die Mehrheit.







