Es ist Mittwochabend in Offenburg. In einer Lehrküche im Westen der Stadt steht ein Dutzend Berufsköchinnen und Berufsköche um einen Edelstahltisch, einer pariert Rehrücken aus dem Renchtal, ein anderer reduziert einen Fond mit einem Spritzer Durbacher Spätburgunder, daneben diskutieren zwei über die Frage, ob der heimische Bachsaibling den Kärntner Reinanken inzwischen sensorisch eingeholt hat. Niemand trägt Servicekleidung, niemand schaut nach 22 Uhr panisch auf die Uhr. Das hier ist kein Dienst. Das ist Vereinsabend im Kochverein Ortenau.
Der Kochverein Ortenau e.V. ist der Branchen-Anker zwischen Rhein und Schwarzwaldrand. Wer im Großraum Offenburg, im Rebland um Durbach und Ortenberg, im Renchtal um Oppenau und Bad Peterstal oder im Lahrer Umfeld in einer professionellen Küche steht, kommt früher oder später mit diesem Verein in Kontakt, sei es über einen Lehrbetrieb, über Wettbewerbe oder über einen Kollegen, der einen am Mittwoch zur Veranstaltung schleift.
Kochverein Ortenau: Wer hier organisiert ist
Der Verein bündelt Berufsköchinnen und Berufsköche aus dem Raum Offenburg, Rebland und Renchtal. Im Landesverband der Köche Baden-Württemberg, der zum Verband der Köche Deutschlands gehört, läuft er unter der ZV-Nummer 717. 1. Vorsitzender ist Kurt Wohlschlegel, Kontakt über 07823 96843 oder kurt.wohlschlegel@gmx.de. Über ihn laufen Anfragen rund um Mitgliedschaft, Gastteilnahme an Vereinsabenden und Wettbewerbsvorbereitung.
Eingebettet ist der Verein in eine größere Struktur. Der Landesverband Baden-Württemberg umfasst rund 21 Zweigvereine und reicht von Stuttgart und Heilbronn bis Bodensee und Hochschwarzwald. Ortenau steht in diesem Netz für eine spezielle Mischung aus klassischer badischer Wirtshausküche, Sterne-Niveau im Europa-Park-Umfeld und den traditionellen Schwarzwaldhotels in den Tälern.
Aktivitäten gibt es das ganze Jahr. Vereinsabende mit Fachvortrag und gemeinsamem Kochen, Saisonkalender-Themen, Verkostungen mit Winzern aus dem Rebland, Branchen-Reisen und die Begleitung von Nachwuchsköchen in landesweite Wettbewerbe. Die Mischung aus Lernen und Geselligkeit erklärt, warum Mitglieder oft jahrzehntelang dabei bleiben.
Warum lokale Köche-Vereine zu Single-Hubs werden
Köche und Köchinnen leben in einem Rhythmus, der den meisten Beziehungen das Leben schwer macht. Service abends, Wochenenden in der Küche, Mittagspause kurz und unterbrochen. Wer in dieser Welt jemanden sucht, der den Job versteht, hat zwei Optionen. Branchen-spezifische Partnersuche für Köche online oder ein Offline-Netzwerk, das von sich aus aus genau diesen Menschen besteht.
Der Kochverein Ortenau fällt unter die zweite Kategorie, ohne sich je als Dating-Plattform zu verstehen. Aber wenn ein Dutzend Berufsköche ohne Servicedruck am gleichen Tisch stehen, passieren Gespräche, die im Restaurantalltag nie entstehen. Niemand muss erklären, warum er am Samstag nicht kann. Niemand wundert sich, wenn jemand um halb zwölf noch hellwach ist. Die Frequenz stimmt, die Sprache stimmt, und das ist die halbe Miete.
Dazu kommt ein Generationenmix, den klassische Apps nicht hinbekommen. Auf einem Vereinsabend stehen 25-jährige Jungköchinnen aus dem Hotel Dollenberg neben 55-jährigen Küchenchefs aus einer Offenburger Brasserie. Das ist nicht primär Dating, aber Beziehungen entstehen am Rand des Beruflichen oft natürlicher als im aktiven Match-Modus. Wer ergänzend strukturiert suchen will, kombiniert den Verein mit einer Plattform wie Gastrosingles und der dortigen Beratung zur Sommelier sucht Frau Frage, die in der Ortenau wegen der dichten Weingüter-Landschaft besonders relevant ist.

