Es ist ein Mittwochabend im Lieblichen Taubertal. In der Küche eines Landgasthofs zwischen Tauberbischofsheim und Lauda-Königshofen stehen zwölf Berufsköchinnen und Berufsköche um einen Edelstahltisch. Einer richtet Tauberforelle auf Frankenwein-Schaum an, eine andere zieht Spargel durch braune Butter, daneben diskutieren zwei über die Lagerung von Bocksbeutel-Weinen bei Sommer-Karten. Keiner trägt Servicekleidung. Keiner schaut nach 22 Uhr panisch auf die Uhr. Das hier ist kein Dienst. Das ist Vereinsabend im Verein der Köche Main-Tauber-Kreis.
Der Verein ist eine eher leise Größe im baden-württembergischen Köche-Netz. Keine große Website, kein Auftritt mit Pressefotos, dafür eine Geschäftsstelle in einer Privatadresse in Igersheim und ein Vorsitzender, der selbst hinter dem Herd seines Gasthofs steht. Genau das ist der Punkt. Tauberfranken kocht still, und der Verein kocht mit.
Verein der Köche Main-Tauber-Kreis: Wer hier organisiert ist
Der Verein der Köche Main-Tauber-Kreis e.V. arbeitet unter der ZV-Nummer 713 im Landesverband der Köche Baden-Württemberg, der wiederum zum Verband der Köche Deutschlands gehört. 1. Vorsitzender ist Michael Sättele, bekannt aus dem Gasthof Engel in Steinbach. Die Geschäftsstelle führt Peter Weiß von der Bergstr. 18 in 97999 Igersheim, erreichbar unter info@vkd-main-tauber.de. Eine eigene Vereinswebsite ist angekündigt und gerade in Arbeit, gelistet ist der Verein zusätzlich im Vereinsverzeichnis der Stadt Bad Mergentheim.
Eingebettet ist der Verein in eine größere Struktur. Der Landesverband Baden-Württemberg umfasst 23 Zweigvereine mit rund 1.400 organisierten Köchen. Main-Tauber ist davon der nördlichste Ausläufer Richtung Franken, geografisch auf halber Strecke zwischen Stuttgart und Würzburg. Genau dieser Grenzcharakter prägt den Verein. Tauberfranken denkt fränkisch beim Wein, badisch beim Verband, schwäbisch bei den Spätzle.
Aktivitäten laufen über das Jahr in moderatem Takt. Vereinsabende mit Fachvortrag, gemeinsames Kochen rund um Saisonprodukte aus dem Taubertal, Verkostungen mit lokalen Frankenwein-Winzern, Förderung des Nachwuchses in den Berufsschulen Bad Mergentheim und Wertheim, gelegentliche Vereinsfahrten zu Messen wie der Intergastra in Stuttgart.
Köche-Vereine als Single-Hubs im ländlichen Raum
Köche und Köchinnen leben in einem Rhythmus, der den meisten Beziehungen das Leben schwer macht. Service abends, Wochenenden in der Küche, Mittagspause kurz und unterbrochen. In einer Stadt wie Stuttgart oder München gibt es genug Berufskollegen, dass sich Wege zufällig kreuzen. Im Main-Tauber-Kreis ist das anders. Wer in einem Landgasthof in Werbach kocht, sieht den Kollegen aus Wertheim höchstens auf einer Schulung.
Genau hier wird der Verein zum sozialen Verstärker. Ein Vereinsabend bündelt die verstreuten Profis aus Hotelküchen, Landgasthöfen und Klosterrestaurants einmal real an einem Tisch. Daraus entstehen Gespräche, die im Tagesgeschäft nie stattfinden. Niemand muss erklären, warum er am Samstag nicht kann. Niemand wundert sich, wenn jemand um halb zwölf noch hellwach ist. Die Frequenz stimmt, die Sprache stimmt. Wer in dieser Welt jemanden sucht, der den Job versteht, hat zwei Optionen. Branchen-spezifische Partnersuche für Köche online oder das Offline-Netzwerk, das von sich aus aus genau diesen Menschen besteht.
Der Verein der Köche Main-Tauber-Kreis fällt unter die zweite Kategorie, ohne sich je als Dating-Plattform zu verstehen. Auf einem Vereinsabend stehen 25-jährige Jungköchinnen aus Bad Mergentheim neben 55-jährigen Küchenchefs aus Wertheim. Beziehungen entstehen am Rand des Beruflichen oft natürlicher als im aktiven Match-Modus. Wer ergänzend strukturiert suchen will, kombiniert den Verein mit einer Plattform wie Gastrosingles und der dortigen Beratung zur Sommelier sucht Frau Frage, die im Tauberfranken wegen der dichten Frankenwein-Kulisse besonders relevant ist.

