Es ist Donnerstagabend in einer Lehrkueche in Koeln-Ehrenfeld. Rund anderthalb Dutzend Berufskoechinnen und Berufskoeche stehen um zwei Edelstahltische, einer pariert Rheinischen Sauerbraten fuer eine Neuinterpretation, ein anderer brennt Zwiebeln fuer Himmel un Aevd, daneben diskutieren zwei ueber Saeureprofile beim Apfelkraut. Ein Sous-Chef aus einem Sternehaus steht direkt neben einem Brauhauskoch aus der Suedstadt, beide reden ueber dasselbe Produkt mit derselben Ernsthaftigkeit. Das hier ist Vereinsabend im Verein der Koeche Koeln.
Koeln ist Deutschlands viertgroesste Stadt, Sitz des Erzbistums, Karnevals-Hauptstadt der Republik und mit der Anuga internationaler Messestandort fuer Lebensmittel und Getraenke. Gastronomisch ist die Stadt ein Paradox. Die globale Wahrnehmung kennt Koelsch, Halve Hahn und Karneval. Die Spitzengastronomie haelt parallel ueber Jahre mehrere Michelin-Sterne und produziert mit Le Moissonnier eine der besten franzoesischen Adressen Deutschlands. Wer hier in einer professionellen Kueche steht, lebt diesen Spagat jeden Tag.
Zahlen und Fakten zum Verein
Der Verein der Koeche Koeln e.V. ist als Zweigverein im VKD-Landesverband Nordrhein-Westfalen organisiert. Der Verband der Koeche Deutschlands ist der bundesweite Dachverband mit Sitz in Frankfurt, der Landesverband Nordrhein-Westfalen ist innerhalb dieser Struktur der mit Abstand groesste Landesverband, weil das bevoelkerungsreichste Bundesland mit Ruhrgebiet, Rheinland und Westfalen schlicht die meisten Berufskoeche stellt. Koeln ist in dieser Konstellation einer der zentralen Zweigvereine, gemeinsam mit Duesseldorf, Bonn, dem Ruhrgebiet und den westfaelischen Standorten.
Die Mitgliederzahl wird bandbreitig im Bereich von rund 60 bis 120 Berufskoechinnen und Berufskoechen angegeben. Das ist ein realistischer Korridor fuer eine Millionenstadt-Mitgliedschaft, die nicht jede Adresse einzeln pflegt, sondern eine Kernmannschaft hat, dazu Senioren, Foerdermitglieder und passive Mitglieder. Konkrete Vorstandsnamen werden hier bewusst nicht ausgewiesen, weil die Wahl alle zwei Jahre stattfindet und tagesaktuelle Belege nicht oeffentlich abrufbar sind. Wer den aktuellen Vorstand braucht, fragt direkt beim Landesverband Nordrhein-Westfalen oder ueber bestehende Mitglieder im Koelner Verein an.
Die Geschaeftsstelle wird privat gefuehrt. Eine eigene Vereinsdomain mit durchgaengig gepflegtem Webauftritt ist nicht durchgaengig etabliert, was fuer Zweigvereine dieser Groessenordnung nicht ungewoehnlich ist. Kommunikation laeuft viel ueber E-Mail-Verteiler, Telefon und die etablierten Strukturen des Landesverbands NRW.
Aktivitaeten zwischen Stammtisch, Karneval und Anuga
Das Vereinsleben in Koeln laeuft auf mehreren Spuren parallel. Da sind die regelmaessigen Stammtische, die als lockerer Treff dienen und Mitglieder den Wiedereinstieg in die Vereinsroutine erleichtern, wenn Saison und Schichtdienst dazwischengekommen sind. Da sind die Fachabende mit Vortrag oder gemeinsamem Kochen, oft saisonal getaktet, mit Themen vom rheinischen Klassiker bis zur Wettbewerbsvorbereitung.
Ein Koelner Spezifikum ist der Karneval. Zwischen Weiberfastnacht und Aschermittwoch laeuft die Gastronomie der Stadt im Sondermodus, mit Schichten, die anderswo unueblich sind, mit Brauhausgaesten, die in groesseren Wellen ankommen, und mit einem Stadtfest, das den gesamten Berufsalltag praegt. Der Kochverein bildet diese Realitaet ab. Treffen werden um die Session herum geplant, Erfahrungen aus den intensiven Tagen werden hinterher ausgetauscht, und das Verstaendnis, was eine Session-Schicht in Koeln bedeutet, ist innerhalb des Vereins selbstverstaendlich.
Dazu kommt die Anuga. Die weltgroesste Fachmesse fuer Lebensmittel und Getraenke findet seit 1924 in Koeln statt, im Wechsel mit der iba alle zwei Jahre auf dem Messegelaende. Fuer Berufskoeche der Region ist die Anuga ein Heimspiel mit internationaler Branchen-Praesenz, vom Hersteller-Auftritt bis zum Wettbewerbsformat. Mitglieder des Koelner Kochvereins sind regelmaessig als Volunteers, in Wettbewerbsjurys oder an Verbandsstaenden eingebunden, was im weltweiten Vergleich ein seltener Standortvorteil ist.
Daneben steht das Engagement im Umfeld der Industrie- und Handelskammer Koeln, die Pruefungen und Berufsausbildung organisiert. Mitglieder des Kochvereins sitzen in Pruefungsausschuessen und tragen damit zur Qualitaet der Koelner Kochausbildung bei. Das ist Teil des berufsstaendischen Selbstverstaendnisses und ein direkter Beitrag zur Nachwuchsfoerderung in einer Stadt, die ueber eigene Berufskollegs und Hotelfachschulen Hunderte von Auszubildenden pro Jahr in die Branche bringt.

