Wer „Kellner Ausbildung" googelt, sucht nach einem Beruf, den es offiziell nicht gibt. Das klingt nach Wortklauberei, ist aber wichtig: „Kellner" ist eine Tätigkeitsbezeichnung, kein anerkannter Ausbildungsberuf. Wer den Beruf im Gastgewerbe wirklich lernen will, hat seit 2022 zwei klare Wege: die dreijährige Ausbildung zur Restaurantfachfrau beziehungsweise zum Restaurantfachmann oder die zweijährige Ausbildung zur Fachkraft für Gastronomie. Beide Wege sind bundesweit anerkannt, laufen dual und enden mit einem IHK-Abschluss.
Dieser Artikel beantwortet, was beide Wege wirklich bringen, was Quereinsteiger verdienen und wann welcher Weg der sinnvollere ist.
Warum es den „Kellner"-Ausbildungsberuf nicht gibt
Der Begriff ist historisch gewachsen, rechtlich aber nie verankert worden. Was umgangssprachlich als Kellner oder Servicekraft bezeichnet wird, umfasst im professionellen Bereich ein breites Aufgabenspektrum: Gästebetreuung, Beratung zu Speisen und Wein, Kassenführung, Veranstaltungsservice, Personalverantwortung. Das war mehr, als ein einfacher Ausbildungsbegriff abbilden konnte.
Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und DEHOGA haben deshalb mit Wirkung zum 1. August 2022 die gastgewerblichen Berufe neu geordnet. Die GastroAusbV regelt seitdem drei zusammenhängende Berufe: Fachkraft für Gastronomie (2 Jahre), Fachmann/Fachfrau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie (3 Jahre) und Fachmann/Fachfrau für Systemgastronomie (3 Jahre). Die früheren Bezeichnungen „Restaurantfachmann/Restaurantfachfrau" und „Fachkraft im Gastgewerbe" gelten damit als abgelöst, auch wenn sie im Sprachgebrauch noch auftauchen.
Die zwei Ausbildungswege im Überblick
Fachkraft für Gastronomie — 2 Jahre
Der zweijährige Weg ist der Einstieg mit breitem Fokus. In der Ausbildung lernst du alle Hauptbereiche eines Gastronomiebetriebs: Wareneingang und Lagerung, einfache Küchentätigkeiten, Service und Gästebetreuung. Der Abschluss ist bundesweit anerkannt und qualifiziert für Servicetätigkeiten im Restaurant, Hotel, Catering und in der Gemeinschaftsgastronomie.
Das Besondere dieser Konstruktion: Wer die zweijährige Ausbildung abgeschlossen hat, kann direkt ein drittes Ausbildungsjahr zur Fachfrau beziehungsweise zum Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie anhängen und damit den dreijährigen Abschluss erwerben. Der zweijährige Weg ist also kein Sackgasse, sondern ein Einstiegspfad.
Fachmann/Fachfrau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie — 3 Jahre
Der dreijährige Weg ist der vollständige Ausbildungsberuf mit dem breitesten Berufsbild. Inhalte laut GastroAusbV 2022: Gästebetreuung und -beratung, Speise- und Getränkekunde, Weinservice und Sommeliergrundlagen, Menükunde und Speisenfolgen, Veranstaltungsplanung und -durchführung, Kassensysteme und Abrechnung, Hygiene- und HACCP-Grundlagen.
Die Abschlussprüfung läuft als gestreckte Prüfung: Teil 1 nach dem vierten Ausbildungssemester (fließt in die Endnote ein), Teil 2 am Ende der Ausbildung mit praktischem Prüfungsteil und Fachgespräch. Zuständige Kammer ist die IHK.
Beide Ausbildungen finden dual statt: ein bis zwei Tage Berufsschule pro Woche, der Rest im Betrieb. Manche Bundesländer bieten Blockunterricht statt wöchentlicher Berufsschultage an.
Ausbildungsvergütung 2026: Was bekommt man wirklich?
Die Vergütung während der Ausbildung richtet sich nach dem Berufsbildungsgesetz und eventuell geltenden Tarifverträgen. Die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nach BBiG beträgt 2026:
| Lehrjahr | Monatliche Mindestvergütung (brutto) |
|---|---|
| 1. Lehrjahr | 724 € |
| 2. Lehrjahr | 854 € |
| 3. Lehrjahr | 977 € |
Das sind die gesetzlichen Untergrenzen. Tarifgebundene Betriebe zahlen teils erheblich mehr: In Baden-Württemberg oder Bayern sind im ersten Lehrjahr 1.050 Euro und mehr möglich. Nicht-tarifgebundene Betriebe dürfen laut Gesetz die für ihre Region geltenden Tarifsätze um maximal 20 Prozent unterschreiten. Vor Vertragsunterzeichnung lohnt sich die direkte Frage nach der Tarifbindung des Betriebs.
Quereinstieg als Kellner — was verdient man ohne Ausbildung?
Viele Betriebe stellen Quereinsteiger ohne anerkannten Abschluss direkt als Servicekräfte ein. Das funktioniert aktuell gut, weil Gastronomiebetriebe in Deutschland stark unterbesetzt sind. Der Preis dafür ist das Einstiegsgehalt: Ohne Abschluss gilt der gesetzliche Mindestlohn.
Ab dem 1. Januar 2026 beträgt der gesetzliche Mindestlohn 13,90 Euro brutto pro Stunde (Quelle: Beschluss der Mindestlohnkommission, veröffentlicht durch die Bundesregierung). Bei einer 40-Stunden-Woche ergibt das rund 2.410 Euro brutto im Monat. In der Praxis arbeiten viele Quereinsteiger in Teilzeit oder auf Minijob-Basis — die Minijobgrenze liegt seit 2026 bei 603 Euro monatlich.
Dazu kommt Trinkgeld. Laut einer Lightspeed-Verbraucherstudie (Mai 2025, rund 1.000 Befragte) geben in Deutschland 49 Prozent der Gäste bei gutem Service zwischen 5 und 10 Prozent Trinkgeld auf den Rechnungsbetrag. Das ist steuerfrei für Arbeitnehmer, aber nicht planbar und schwankt je nach Betrieb, Tageszeit und Klientel stark. Verlässliche Durchschnittswerte nach Betriebstyp gibt es nicht.







