Die Ausbildung zur Restaurantfachfrau oder zum Restaurantfachmann gehört zu den ältesten Servicekräfte-Ausbildungen in Deutschland. Seit August 2022 läuft sie unter neuem Namen und mit modernisierten Inhalten. Wer sich 2026 bewirbt, trifft auf einen Arbeitsmarkt, der gut ausgebildete Servicekräfte aktiv sucht — und auf Vergütungen, die durch Tarifabschlüsse und die gestiegene BBiG-Mindestvergütung spürbar höher sind als noch vor drei Jahren.
Offizieller Berufsname und Abgrenzung seit 2022
Seit dem 1. August 2022 gilt die GastroAusbV — die Verordnung über die Berufsausbildungen im Gastgewerbe. Der Beruf heißt seitdem offiziell Fachfrau bzw. Fachmann für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie. Im Alltag und in Stellenausschreibungen ist „Restaurantfachfrau" oder „Restaurantfachmann" weiterhin üblich und korrekt.
Wichtig: Die 2022er-Neuordnung hat gleichzeitig einen zweijährigen Beruf eingeführt — die Fachkraft für Gastronomie. Diese beiden Berufe werden häufig verwechselt, sind aber klar verschieden:
| Fachkraft für Gastronomie | Fachfrau/Fachmann Restaurants & Veranstaltungsgastronomie | |
|---|---|---|
| Dauer | 2 Jahre | 3 Jahre |
| Schwerpunkt | Service-Grundlagen | Service, Bankett, Wein, Veranstaltungsorganisation |
| Karrierestufe | Einstiegsqualifikation | Vollqualifikation mit Führungsanteil |
Wer eine vollwertige Service-Ausbildung mit Aufstiegsperspektive will, wählt den Drei-Jahres-Beruf. Die zweijährige Fachkraft ist kein verkürzter Weg zum selben Abschluss — sie ist ein eigenständiger, niederschwelligerer Beruf.
Quelle: BIBB-Berufesuche, GastroAusbV (gesetze-im-internet.de, Stand 2022); IHK München Neuordnung 2022.
Ablauf und Prüfungen
Die Ausbildung läuft dual: Berufsschule ein bis zwei Tage pro Woche, der Rest im Lehrbetrieb. Das erste Jahr legt Grundlagen in Service, Hygiene, Kommunikation und Warenkunde. Ab dem zweiten Jahr kommt die Vertiefung: Bankett, Wein- und Getränkeberatung, Veranstaltungsplanung. Im dritten Jahr übernehmen Azubis eigenständige Aufgaben — Dienstplangestaltung, Mitarbeitereinweisung, Eventorganisation.
Die Prüfung läuft seit 2022 als gestreckte Abschlussprüfung:
- GAP Teil 1 im vierten Ausbildungssemester — entspricht der früheren Zwischenprüfung, zählt 25 Prozent zur Endnote.
- GAP Teil 2 am Ausbildungsende — schriftliche Prüfungen in Gastgeberfunktionen, Abrechnung und Wirtschafts-/Sozialkunde, plus praktischer Teil mit Serviceablauf und Fachgespräch.
Zuständige Stelle ist die IHK. Bei sehr guten Noten ist eine Verkürzung auf zweieinhalb Jahre möglich — Antrag über Betrieb und IHK gemeinsam.
Quelle: IHK Berlin Prüfungsinformationen; IHK Nord Westfalen Ausbildungsübersicht; BIBB GastroAusbV 2022.
Ausbildungsinhalte: Was du wirklich lernst
Die modernisierten Inhalte seit 2022 decken mehr ab als klassischer Tischservice. Laut BIBB-Rahmenlehrplan (GastroAusbV 2022) gehören dazu:
Service und Tischkultur: Mise en Place, Serviceabläufe, Menükunde, Tranchieren und Flambieren, Allergenkennzeichnung nach EU-Lebensmittelinformationsverordnung.
Wein und Getränke: Grundlagen der Weinberatung, Getränkekunde, Bararbeit, Getränkekalkulation. Die GastroAusbV 2022 hat erstmals eine Zusatzqualifikation „Bar und Wein" als optionale Vertiefung eingeführt, die Ausbildungsbetrieb und Azubi gemeinsam vereinbaren können.
Bankett und Veranstaltungen: Planung und Durchführung von Banketts, Buffets und Veranstaltungen — das ist der wesentliche Unterschied zur zweijährigen Fachkraft für Gastronomie.
Abrechnung und Kassensysteme: Tagesabschlüsse, digitale Kassensysteme, Reservierungssoftware. Neu seit 2022 als Pflichtinhalt.
Kommunikation und Verkauf: Gästeberatung, Reklamationsmanagement, Verkaufspsychologie, fremdsprachige Grundkenntnisse im Gästekontakt.
Hygiene: HACCP-Grundlagen für den Service, Lebensmittelhygieneverordnung, Schädlingsprävention.
Im dritten Lehrjahr kommen Führungsaufgaben hinzu: Neue Mitarbeiter einweisen, Dienstpläne mitgestalten, kleinere Veranstaltungen eigenverantwortlich koordinieren.
Ausbildungsvergütung 2026: Echte Zahlen
Zwei Ebenen bestimmen, was du als Azubi bekommst: die BBiG-Mindestvergütung als gesetzliche Untergrenze und der DEHOGA-Tarifvertrag des jeweiligen Bundeslandes als Obermaßstab für tarifgebundene Betriebe.
BBiG-Mindestvergütung 2026 (gilt ab Ausbildungsbeginn 2026, Quelle: BIBB Pressemitteilung 2026):
| Lehrjahr | Mindestvergütung brutto/Monat |
|---|---|
| 1. Lehrjahr | 724 € |
| 2. Lehrjahr | 854 € |
| 3. Lehrjahr | 977 € |
DEHOGA-Tarifwerte ausgewählter Länder (Quelle: DEHOGA NRW, DEHOGA Rheinland-Pfalz, Stand 2025/2026):
- NRW: 1.200 / 1.300 / 1.400 € je Lehrjahr (allgemeinverbindlich seit August 2025)
- Rheinland-Pfalz: Erstes Lehrjahr ca. 1.000 €, drittes Lehrjahr bis 1.200 €
- Nicht-Tarifbetriebe sind an die BBiG-Mindestvergütung gebunden — kein Cent darunter ist legal
Für dich als Bewerber bedeutet das: Frag gezielt nach Tarifbindung. Ein tarifgebundener Betrieb zahlt in vielen Bundesländern 300 bis 600 Euro mehr im Monat als der gesetzliche Mindestsatz. Das ist kein Detail — das ist im dritten Lehrjahr ein Viertel mehr Brutto.







