Wer 2026 die Ausbildung zum Koch beginnt, trifft auf einen Beruf im Wandel. Die Ausbildungsordnung ist seit 2022 neu, die Azubi-Zahlen steigen wieder – und der Fachkräftemangel gibt Berufseinsteigern eine Verhandlungsmacht, die es vor zehn Jahren nicht gab. Was hier steht, basiert auf verifizierten Zahlen aus BIBB, DEHOGA und den aktuellen DEHOGA-NGG-Tarifabschlüssen.
Duale Ausbildung: So läuft sie ab
Die Ausbildung zum Koch ist ein dualer IHK-Beruf. Drei Jahre Regeldauer, ein bis zwei Tage pro Woche in der Berufsschule, der Rest im Ausbildungsbetrieb. Zuständig ist die IHK, nicht die Handwerkskammer – der Koch ist kein Handwerksberuf, auch wenn das Handwerk im Mittelpunkt steht.
Grundlage ist die Verordnung über die Berufsausbildung zum Koch und zur Köchin vom 1. August 2022, die die alte Ausbildungsordnung von 1980 abgelöst hat. Die Prüfungsstruktur folgt dem Prinzip der gestreckten Abschlussprüfung: Teil 1 nach 18 Monaten zählt 25 Prozent zur Endnote. Teil 2 am Ende umfasst einen praktischen Prüfungsteil (Drei-Gänge-Menü, vier Stunden), schriftliche Aufgaben sowie ein Fachgespräch.
Wer gute Leistungen zeigt, kann gemeinsam mit dem Betrieb bei der IHK eine Verkürzung auf zweieinhalb oder zwei Jahre beantragen. Quereinsteiger mit mindestens viereinhalb Jahren nachgewiesener Berufspraxis können über die Externenprüfung den IHK-Abschluss nachholen.
Was die neue Ausbildungsordnung 2022 bringt
Die 2022er-Verordnung hat den Rahmenplan auf aktuelle Branchenrealitäten aktualisiert. Neu sind laut BIBB folgende Schwerpunkte:
- Ressourcenschonendes Arbeiten: Lebensmittelabfall reduzieren, Energie sparen, Saisonalität nutzen
- Regionale und saisonale Produkte: gezielter Einsatz von Regionalität in der Menüplanung
- Mitarbeiterführung und unternehmerisches Handeln: bereits in der Grundausbildung verankert
- Reflexion von Arbeitsergebnissen: strukturiertes Feedback und Qualitätsbewusstsein
Dazu kommt eine optionale Zusatzqualifikation vegetarische und vegane Küche, die im Ausbildungsvertrag vereinbart werden kann. Sie ist nicht Pflicht, aber viele Betriebe bieten sie an – weil der Markt sie verlangt.
Was bleibt: HACCP-Dokumentation, Warenwirtschaft nach FIFO, Ernährungslehre, klassische Zubereitungstechniken auf allen Posten der Brigade, Speisefolgen, Anrichten am Pass, Kalkulation.
Ausbildungsvergütung 2026: Zahlen ohne Schönreden
Die Vergütung in der Koch-Ausbildung variiert je nach Bundesland und Tarifbindung des Betriebs erheblich. Zwei Ebenen sind relevant:
BBiG-Mindestausbildungsvergütung (gesetzliche Untergrenze, laut BIBB, gilt ab 2026):
| Lehrjahr | Monatliche Mindestvergütung (brutto) |
|---|---|
| 1. Lehrjahr | 724 € |
| 2. Lehrjahr | 854 € |
| 3. Lehrjahr | 977 € |
Kein Ausbildungsbetrieb darf darunter zahlen – unabhängig von Betriebsgröße oder Region.
Tarifliche Vergütung (DEHOGA-NGG, regional unterschiedlich):
Die Bundesländer verhandeln eigene Tarifabschlüsse zwischen DEHOGA und der Gewerkschaft NGG. Die Ergebnisse variieren:
- Bayern: Mehrfache Erhöhungen 2024/2025, liegt spürbar über der BBiG-Untergrenze
- NRW: Erhöhungen um je 50 Euro pro Lehrjahr zum 1. August 2024 und 1. August 2025
- Baden-Württemberg: Stufenweise prozentuale Erhöhungen bis 2027 vereinbart
- Sachsen: Erhöhungen von 7 % (2024), 5 % (2025), 5 % (2026)
Konkret: Wer in einem tarifgebundenen Betrieb in Bayern oder NRW ausbildet, verdient im ersten Lehrjahr 2026 realistisch 820 bis 950 Euro brutto. Wer in einem nicht tarifgebundenen Kleinbetrieb anfängt, hat gesetzlich Anspruch auf mindestens die BBiG-Werte. Vor Vertragsunterzeichnung lohnt die Frage: Gilt hier ein Tarifvertrag?
Wie viele Koch-Azubis gibt es?
Laut DEHOGA-Zahlenspiegel wurden 2024 insgesamt 16.308 neue Ausbildungsverträge im Beruf Koch/Köchin abgeschlossen – ein Plus von 6,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nach dem pandemiebedingten Einbruch zeigt die Kurve wieder nach oben. Der Beruf ist gemessen an den Azubi-Zahlen das Rückgrat der Gastro-Ausbildung.
49,3 Prozent der Gastronomiebetriebe in Deutschland nennen den Fachkräftemangel als größte Herausforderung (DEHOGA-Branchenumfrage). Das bedeutet für Absolventen: Die Verhandlungsposition nach der Prüfung ist so stark wie seit Jahren nicht.







