Es ist ein Dienstagabend in Wuerzburg. Draussen liegt die barocke Fassade der Residenz im Licht, der Hofgarten ist leer, der Main fliesst still unter der Alten Mainbruecke. In einer Hotelkueche zwischen Marktplatz und Neumuenster stehen vierzehn Berufskoeche um einen Edelstahltisch. Einer richtet Mainfischer-Filet auf Silvaner-Schaum an, eine andere zieht Frankenspargel durch braune Butter, daneben diskutieren zwei ueber die richtige Temperatur fuer einen alten Bocksbeutel-Wein aus der Lage am Stein. Keiner traegt Servicekleidung. Keiner schaut nach 22 Uhr panisch auf die Uhr. Das hier ist kein Dienst. Das ist Vereinsabend im Verein der Koeche Wuerzburg-Unterfranken.
Wuerzburg ist Frankenwein-Hauptstadt, Residenzstadt mit UNESCO-Welterbe und Drehscheibe fuer Mainfranken-Tourismus. Der Zweigverein ist eine eher leise Groesse im bayerischen Koeche-Netz, aber er bildet genau diese Verzahnung von Wein, Geschichte und Spitzenkueche im Berufsverband ab. Unterfranken kocht eigenstaendig, und der Verein kocht mit.
Zahlen und Fakten Verein
Der Verein der Koeche Wuerzburg-Unterfranken e.V. arbeitet als Zweigverein im Bezirksverband Unterfranken des Landesverbandes der Koeche Bayern, der wiederum zum Verband der Koeche Deutschlands mit Sitz in Frankfurt gehoert. Der Vorstand wird laut VKD-Statut alle zwei Jahre auf der Mitgliederversammlung gewaehlt und besteht aus erstem und zweitem Vorsitzenden, Schatzmeister, Schriftfuehrer und Jugendwart.
Konkrete aktuelle Namen kommuniziert der Verein ueber den Landesverband Bayern oder direkt ueber seine Geschaeftsstelle, die wie in vielen kleineren Zweigvereinen privat gefuehrt wird. Die Mitgliederzahl bewegt sich erfahrungsgemaess in einer Bandbreite von rund 40 bis 80 organisierten Berufskoechen. Fuer eine Stadt der Groesse Wuerzburgs mit ihrer dichten Hotel- und Restaurantszene ist das eine plausible Groessenordnung. Klein genug, dass sich Mitglieder persoenlich kennen, gross genug, dass Stammtische und Vereinsabende echte Dynamik entwickeln.
Eingebettet ist der Verein in eine groessere Struktur. Der Landesverband Bayern gliedert sich in mehrere Bezirksverbaende, Unterfranken ist einer davon und umfasst neben Wuerzburg auch Schweinfurt, Aschaffenburg, Bad Kissingen und das Kitzinger Land. Geographisch deckt der Zweigverein damit einen grossen Teil des Mainfranken-Tourismusgebietes ab.
Aktivitaeten
Die Vereinsarbeit laeuft ueber das Jahr in moderatem Takt. Stammtische in wechselnden Haeusern bilden das Rueckgrat, dazu kommen gemeinsame Kochabende mit Fachvortrag und Verkostungen. Ein fester Schwerpunkt sind Frankenwein-Kooperationen. Winzer aus Randersacker, Iphofen und Escherndorf bringen Bocksbeutel-Weine in die Kueche, die Koeche stellen passende Gaenge dazu. Das ist nicht Marketing, sondern handwerklicher Austausch zwischen zwei Berufen, die in Unterfranken historisch aufeinander angewiesen sind.
Beim Mainfraenkischen Volksfest, dem groessten Volksfest der Region am Talavera-Platz, ist der Verein regelmaessig sichtbar, sei es ueber Mitglieder, die in den Festzelten arbeiten, oder ueber Auftritte bei begleitenden Schauveranstaltungen. Auf der Mainfrankenmesse, der grossen Herbstmesse in Wuerzburg, vertreten Mitglieder ihre Haeuser und den Berufsstand.
IHK-Engagement ist die zweite Saeule. Mitglieder des Vereins nehmen Pruefungen ab, sitzen in Pruefungsausschuessen und begleiten Auszubildende der Berufsschulen in Wuerzburg, Schweinfurt und Bad Kissingen. Nachwuchsfoerderung ist im Statut des VKD verankert und wird auf Zweigvereinsebene konkret. Junge Koechinnen und Koeche bekommen ueber den Verein Zugang zu Wettbewerben des Landesverbandes Bayern und zu Schulungen, die einzelne Betriebe so nicht anbieten koennen.
Hinzu kommen Vereinsfahrten zu Messen wie der Internorga in Hamburg oder zu Fachveranstaltungen in Frankfurt und Muenchen, gelegentliche Kuechenfuehrungen bei renommierten Kollegen und der traditionelle Jahresabschluss mit Familie.

