Es ist Mittwochabend in der Marburger Oberstadt. Die Lahn liegt unten im Tal, ueber den engen Gassen leuchtet das Landgrafenschloss, in einem Nebenraum eines alten Wirtshauses sitzen ein gutes Dutzend Berufskoechinnen und Berufskoeche an einem langen Tisch. Keiner traegt Kochjacke, niemand schielt nervoes auf die Uhr Richtung Pass. Hier laeuft ein Stammtisch des Verein der Koeche Marburg e.V., und es ist einer der wenigen Abende im Monat, an dem die Marburger Berufskueche tatsaechlich unter sich ist.
Der Verein der Koeche Marburg ist Zweigverein im Landesverband Hessen des Verband der Koeche Deutschlands, kurz VKD. Er ist kleiner als die grossen Frankfurter Strukturen, dafuer dichter vernetzt. Wer im Marburger Speckguertel kocht, vom Restaurant in der Oberstadt ueber die Hotelkueche am Stadtrand bis zur Mensa im Universitaetsbetrieb, kennt fast jeden anderen Profi der Stadt persoenlich. Genau aus dieser Mischung speist sich das Vereinsleben.
Zahlen und Fakten Verein
Der Verein agiert als klassischer Zweigverein unter dem Dach des VKD Landesverband Hessen. Praezise Mitgliederzahlen kommuniziert die Gruppe nicht oeffentlich, fuer einen mittelhessischen Verein dieser Groessenordnung sind rund 20 bis 40 organisierte Berufskoeche realistisch. Eingebettet ist diese Gemeinschaft in die bundesweite VKD-Struktur mit etwa 8.500 Mitgliedern und mehreren Dutzend Zweigvereinen quer durch Deutschland.
Die Geschaeftsstelle wird privat gefuehrt, ein eigenes Vereinsbuero gibt es nicht. Das ist fuer Zweigvereine in dieser Groesse typisch und schadet der Substanz nicht, im Gegenteil. Kommunikation laeuft direkt unter den Mitgliedern, ueber Whatsapp-Gruppen, kurze Anrufe und den naechsten Stammtisch. Der Vorstand wird laut VKD-Statut alle zwei Jahre auf der Mitgliederversammlung gewaehlt, aktuelle Namen werden nicht offen ins Netz gestellt, sondern intern und ueber den Landesverband Hessen gepflegt.
Wer Kontakt sucht, geht den Weg ueber die Geschaeftsstelle des VKD Landesverband Hessen oder erscheint einfach als Gast zu einem Stammtisch. Das ist in einer Stadt wie Marburg ueberraschend einfach, weil sich die Gastro-Szene im Kern auf wenige Strassen verteilt und Kollegen sich gegenseitig mitbringen.
Aktivitaeten
Das Vereinsleben ist eine Mischung aus klassischer Berufsvertretung und mittelhessischem Pragmatismus. Stammtische finden in wechselnden Mitgliedsbetrieben statt, mal in einem Wirtshaus der Oberstadt, mal in einem Hotelrestaurant am Stadtrand, manchmal in einer Gastrokueche eines Studentenwohnheims, wenn die Kollegen dort einen Abend frei machen koennen. Diese Rotation hat einen praktischen Effekt, jeder Gastgeber zeigt seinen Betrieb, das bringt Wertschaetzung und gibt jungen Mitgliedern Einblick in Haeuser, die sie sonst nie von innen sehen wuerden.
Ein zweiter Block sind Catering- und Showkochen-Einsaetze. Marburg lebt von seinen Studenten, in jedem Semester rollen Erstsemesterwochen, Fachschaftsfeste und Kongresse durch die Stadt. Der Verein liefert dabei selten den kompletten Service, sondern eher fachliche Unterstuetzung, ein Showkochen auf dem Marktplatz, ein Auftritt am Schlossberg, ein Beitrag zum Drei-Tage-Marburg-Stadtfest. Wer den Verein einmal in Aktion gesehen hat, erkennt schnell, dass es nicht um Buehne geht, sondern um Sichtbarkeit fuer den Beruf.
Die Jurytaetigkeit bei IHK Lahn-Dill-Pruefungen ist der dritte feste Pfeiler. Marburger Vereinsmitglieder sitzen regelmaessig in Abschlusspruefungen fuer Koechinnen und Koeche der Region, vom Lahn-Dill-Kreis bis Marburg-Biedenkopf. Das ist Arbeit ohne grosse oeffentliche Sichtbarkeit, aber es ist der Punkt, an dem Berufsverband konkret wird, dort wo die naechste Generation ihren Abschluss macht.
Dazu kommen Warenkundeabende mit regionalen Erzeugern aus dem Hinterland, gelegentliche Einsaetze bei Schloss-Events am Marburger Landgrafenschloss und kollegiale Treffen mit benachbarten Zweigvereinen in Wetzlar, Giessen und Kassel.

