Einkommen: Was verdient ein Wirt?
Hier wird es konkret, und hier sind die Pauschalzahlen aus dem Netz meist falsch. Das Einkommen eines Wirts hängt an drei Hebeln: Umsatz, Kostenstruktur und Eigentum am Objekt.
Ein mittlerer Landgasthof mit 60 bis 100 Sitzplätzen liegt im Jahresumsatz zwischen 350.000 und 700.000 Euro. Davon gehen rund 28 bis 32 Prozent für Wareneinsatz drauf, 30 bis 35 Prozent für Personal, 8 bis 12 Prozent für Pacht und Nebenkosten, der Rest für Energie, Versicherung, Steuerberatung und Abschreibungen. Was übrig bleibt, der Reinerlös, liegt branchenüblich zwischen 5 und 15 Prozent. Auf 500.000 Euro Umsatz sind das 25.000 bis 75.000 Euro vor Steuer.
Stadtbetriebe können deutlich mehr machen, vor allem bei höheren Durchschnittsbons und niedrigerer Pacht relativ zum Umsatz. Sie können aber auch weniger machen, wenn die Miete im hippen Viertel 15 bis 20 Prozent vom Umsatz frisst. Wirte mit Eigentum statt Pacht stehen strukturell besser da, weil die Bankrate planbar ist und am Ende ein Vermögenswert übrig bleibt. Wer als Wirt 100.000 Euro Jahreseinkommen schaffen will, braucht entweder ein außergewöhnlich gut laufendes Konzept, eine günstige Kostenstruktur oder mehrere Standorte.
Zur Einordnung: Der angestellte Restaurantleiter in einem vergleichbaren Haus verdient zwischen 38.000 und 65.000 Euro brutto, mit geregelter Arbeitszeit und ohne unternehmerisches Risiko. Wer als Wirt drunter landet, hat ein Problem mit dem Geschäftsmodell. Wer drüber landet, hat das Risiko bezahlt bekommen. Wichtig ist, das eigene Gehalt vom Anfang an als Position in der Kalkulation zu führen und nicht als Restgröße. Viele Gründer machen den Fehler, sich selbst nicht zu bezahlen und am Jahresende festzustellen, dass der Betrieb läuft, aber sie privat im Minus stehen. Eine realistische Mindest-Geschäftsführerentnahme von 3.500 bis 4.500 Euro netto pro Monat sollte in jedem Businessplan stehen, sonst rechnet sich der Aufwand nicht.
Wege zum eigenen Betrieb
Vier Wege führen klassisch ins eigene Haus. Erstens die Pacht eines bestehenden Betriebs. Das ist der häufigste Einstieg, weil die Investition bei 30.000 bis 80.000 Euro Eigenkapital bleibt, du den Gästestamm übernimmst und der Verpächter oft die Grundinstandhaltung trägt. Nachteil: Pachtverträge laufen meist über fünf bis zehn Jahre, danach ist Verhandlung oder Auszug.
Zweitens die Übernahme eines Familienbetriebs. Wer in eine Wirtsfamilie hineingeboren ist und das Haus weiterführt, hat einen massiven Startvorteil, weil Stammkundschaft und Marke etabliert sind. Der Generationswechsel ist allerdings nicht trivial. Etwa 43 Prozent der Inhaber inhabergeführter Gasthäuser sind laut IHK Erfurt 55 Jahre oder älter, und viele Häuser stehen in den nächsten Jahren ohne Nachfolger da.
Drittens die Neugründung. Sie ist der riskanteste und teuerste Weg, weil du Konzept, Standort, Einrichtung und Marketing komplett selbst aufbauen musst. Kapitalbedarf zwischen 150.000 und 500.000 Euro je nach Größe. Die Bank für Sozialwirtschaft, die mit der DEHOGA als Branchenverband eng arbeitet, finanziert Gastronomie-Gründungen regelmäßig, wenn der Businessplan trägt und das Konzept eine klare Lücke füllt.
Viertens das Franchise. Systeme wie Hans im Glück, L'Osteria oder kleinere regionale Konzepte bieten eine standardisierte Vorlage gegen Eintrittsgebühr und laufende Lizenz. Das Risiko ist niedriger, die unternehmerische Freiheit dafür auch.
Wirt vs. Gastronom vs. Restaurantleiter
Die drei Begriffe werden oft synonym verwendet, sind es aber nicht. Der Wirt ist die volkstümliche und historisch gewachsene Bezeichnung für den Inhaber einer Gaststätte, traditionell eines Wirtshauses oder Landgasthofs. Der Begriff trägt eine ländliche und bodenständige Konnotation, auch wenn er rechtlich für jeden Gastronomie-Inhaber gilt.
Gastronom ist der breitere Branchenbegriff. Er umfasst jeden Selbstständigen in der Gastronomie, vom Sternekoch mit eigenem Restaurant über den Café-Betreiber bis zum Imbiss-Inhaber. Wer „Gastronom" sagt, denkt eher städtisch und konzeptionell.
Der Restaurantleiter dagegen ist Angestellter. Er führt einen Betrieb operativ, oft mit weitreichender Verantwortung, aber das unternehmerische Risiko trägt der Inhaber. Restaurantleiter verdienen je nach Größe und Region zwischen 38.000 und 65.000 Euro brutto, ohne die Risiken der Selbstständigkeit.
Arbeitsalltag und Schichten
Ein realer Wirts-Tag sieht ungefähr so aus. 8 Uhr Lieferung Frischware, Annahme und Lagerung. 9 bis 11 Uhr Vorbereitung, Mittagskarte fixieren, Personal-Briefing. 11.30 bis 14 Uhr Mittagsservice. 14 bis 17 Uhr ist die Pause, die keine ist: Buchhaltung, Reservierungen abarbeiten, Bestellungen für den nächsten Tag, manchmal handwerkliche Reparaturen, weil das Geschirrspüler-Ventil tropft und der Monteur erst Donnerstag kommt. 17 Uhr Vorbereitung Abendservice. 18 bis 22 Uhr Service, in der Saison länger. 22 bis 23.30 Uhr Closing, Abrechnung, Tagesbericht.
Sechs Arbeitstage, ein Ruhetag, und der Ruhetag geht oft für Wocheneinkauf, Bürokram und die Termine drauf, die unter der Woche keinen Platz finden. Urlaub ist möglich, aber meist außerhalb der Saison und nur, wenn du jemandem den Schlüssel anvertrauen kannst.
Wirt und Partnersuche
Über das Beruflich-Persönliche reden wenige offen, aber es gehört zum Berufsbild. Wer 70 Stunden pro Woche im eigenen Betrieb steht, lernt im klassischen Sinn niemanden mehr kennen. Die Kollegen sind Angestellte, die Gäste sind Gäste, und die freie Zeit am Vormittag und am Ruhetag verteilt sich nicht so, dass sie zu einer normalen Beziehungs-Logistik passt.
In der Praxis funktionieren drei Modelle. Erstens der Partner aus der Branche. Wer mit einer Restaurantfachfrau, einer Köchin, einem Sommelier oder einer Hotelfachkraft zusammen ist, hat einen Partner, der die Zeiten kennt und nicht jeden Sonntag fragt, warum ihr nicht ins Café könnt. Die Statistik der Gastronomie-Beziehungen spricht klar: Branchen-Matches halten überdurchschnittlich. Mehr dazu in unserer Übersicht zur Partnersuche in der Gastronomie und speziell zur Partnersuche für Köche.
Zweitens der Partner mit eigenem flexiblen Beruf. Selbstständige, Schichtarbeiter, Lehrer mit langen Ferien, freiberufliche Kreative. Das funktioniert, weil beide Seiten mit dem Rhythmus des anderen leben können.
Drittens und am häufigsten unterschätzt: der Partner, der den Betrieb als Teil des Lebens akzeptiert, statt als Konkurrenz dazu. Das ist keine Frage der Branche, sondern der Haltung. Ein Lehrer mit langen Schulferien kann das genauso gut leben wie eine Krankenschwester im Schichtdienst oder eine Selbstständige aus einem ganz anderen Feld, solange beide Seiten den Rhythmus respektieren und nicht heimlich auf einen Normalalltag warten. Wenn das gelingt, ist die Beziehung trotz aller Stunden tragbar. Wenn nicht, wird sie unter der Last des Betriebs zerrieben. Speziell für Wirte und Wirtinnen, die den Schritt aktiv gehen wollen, lohnt der Blick in unseren Beitrag Wirt sucht Frau, der die ländliche Realität und die typischen Beziehungsfallen offen behandelt.
Wer aktiv suchen will, findet drei Wege in der Praxis. DEHOGA-Veranstaltungen und regionale Wirtschaftsstammtische bringen dich mit Menschen aus der Branche zusammen, ohne dass es nach Dating riecht. Messen wie die Internorga in Hamburg sind ein klassischer Ort für Branchenkontakte. Und spezialisierte Plattformen wie Gastrosingles, wo das Gegenüber den Beruf von Anfang an versteht und niemand erklären muss, warum der Sonntagabend nicht frei ist.
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