Thüringen ist das Klassiker-Land im Herzen Deutschlands. Zwischen Goethes Weimar, der Wartburg in Eisenach, der Erfurter Krämerbrücke und den Kammhöhen des Thüringer Waldes arbeitet eine Branche, die sich kaum jemand als Schwergewicht vorstellt, und es doch ist. DEHOGA Thüringen bündelt rund 3.500 Mitgliedsbetriebe, vertritt sie im Thüringer Landtag und sortiert die Interessen zwischen Sterne-Hotel, Rennsteig-Gasthof und Bratwurst-Imbiss. Wer im Freistaat kocht, kellnert oder ein Hotel führt, kommt an diesem Verband nicht vorbei. Diese Cluster-Page zeigt dir Struktur, Köpfe und aktuelle Themen, und warum der Verband für dich als Wirt, Köchin oder Hotelfachkraft mehr ist als ein Briefkopf in Erfurt.
DEHOGA Thüringen: Zahlen & Fakten
DEHOGA Thüringen, mit vollem Namen Hotel- und Gaststättenverband Thüringen e.V., vertritt rund 3.500 Mitgliedsbetriebe und gehört damit zu den mittelgroßen Landesverbänden unter dem Dach des Bundesverbandes. Sitz ist Erfurt, die Hauptgeschäftsstelle liegt zentral in der Landeshauptstadt, in Reichweite zum Thüringer Landtag und zur historischen Altstadt rund um Dom und Krämerbrücke.
Die Mitgliederbasis ist breit gefächert. Sie reicht vom Familiengasthof im Thüringer Wald über Pensionen am Rennsteig und Hotellerie in Weimar und Eisenach bis zu Sterne-naher Stadtgastronomie in Erfurt und Boutique-Hotellerie in Jena. Catering-Unternehmen, Bratwurst-Spezialisten und klassische Wirtshausgastronomie aus den Dörfern kommen dazu. Genau diese Mischung aus Klassikertourismus, Wald-Tourismus und Stadt macht den Verband im Bundesvergleich besonders.
Hauptgeschäftsführer ist seit vielen Jahren Dirk Ellinger, eine der bekanntesten Branchenstimmen Mitteldeutschlands. Wenn in MDR-Beiträgen über das Gastgewerbe im Freistaat berichtet wird, steht meist sein Name unter den O-Tönen. Diese Personalkontinuität gibt dem Verband nach aussen ein klares Gesicht und nach innen eine stabile Linie über Legislaturperioden hinweg.
Auch wirtschaftlich ist die Branche im Freistaat kein Randthema. Tourismus und Gastgewerbe gehören zu den größeren Arbeitgebersektoren, mit zehntausenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten und einem hohen Anteil an Teilzeit- und Saisonkräften. Vor allem in den ländlichen Regionen rund um Rennsteig, Schwarza-Tal und Saale-Orla-Kreis hängen ganze Dörfer an einem Gasthof, einer Pension oder einem Wanderhotel.
DEHOGA Thüringen: Aufgaben & Schwerpunkte
Der Verband ist Arbeitgeberverband, Lobbyist und Servicestelle in einem. Politisch sitzt er bei jeder Anhörung im Thüringer Landtag mit am Tisch, wenn es um Gastgewerbe, Tourismus, Arbeitsmarkt oder ländliche Versorgung geht. Tarifpartner ist die Gewerkschaft NGG, mit der regelmäßig die Lohnabschlüsse für Thüringer Köche, Hotelfachkräfte und Servicekräfte verhandelt werden.
Im Tourismus ist DEHOGA Thüringen eine Schlüsselfigur. Vier Marken ziehen über Landesgrenzen hinaus. Weimar mit Goethe, Schiller, Liszt und der Anna Amalia Bibliothek ist UNESCO-Welterbe und eines der dichtesten Kulturzentren Europas. Die Wartburg in Eisenach, ebenfalls UNESCO-Welterbe, gehört zu den meistbesuchten Burgen Deutschlands und trägt eine Hotellerie und Gastronomie, die sich rund um Burg und Bachhaus organisiert. Der Thüringer Wald mit Rennsteig als längstem deutschen Kammweg ist Wandermagnet und im Winter Skigebiet zugleich. Erfurt als Landeshauptstadt schließlich verbindet Mittelalter-Altstadt mit moderner Stadtgastronomie und ist Sitz des Verbandes.
Dazu kommt die Gedenkstätte Buchenwald oberhalb von Weimar. Sie gehört zur historischen Verantwortung des Standortes und zur Erinnerungskultur, die Tourismus und Gastronomie in Weimar mitprägt. Der Verband arbeitet eng mit der Thüringer Tourismus GmbH zusammen, mischt sich ein, wenn Tourismusstrategien oder Förderprogramme im Landtag verhandelt werden, und drängt auf eine starke Vermarktung der Klassikerstädte und des Waldes im Bund und auf europäischer Ebene.
Servicethemen gehören genauso zum Alltag. Rechtsberatung, Musterarbeitsverträge, Hilfe bei Hygiene- und Brandschutzauflagen, Beratung bei Betriebsübergaben, dazu Fortbildungen für Führungskräfte. Wer im Thüringer Gastgewerbe einen Betrieb führt, holt sich hier oft die erste Antwort, bevor er einen Anwalt anruft. Auch bei Energieabrechnung, Lieferanten-Konditionen und Versicherung tritt der Verband als Verhandlungspartner gegenüber Großkunden auf und sichert Mitgliedern Rabatte, die ein Einzelbetrieb nie aushandeln könnte.
DEHOGA Thüringen & Ausbildung
Ausbildung ist eines der Kernthemen. DEHOGA Thüringen sitzt in den Prüfungsausschüssen der IHKs Erfurt, Jena und Gera und vertritt die Arbeitgeberseite in der dualen Ausbildung. Koch und Köchin, Hotelfachfrau und Hotelfachmann, Fachkraft für Gastronomie und Fachkraft Küche werden an Thüringer Berufsschulen unterrichtet, etwa an der Staatlichen Berufsbildenden Schule für Wirtschaft und Gastgewerbe in Erfurt und an entsprechenden Standorten in Jena und Gera.
Eine Thüringer Besonderheit ist die Schnittmenge zum Fleischerhandwerk. Wer ernsthaft Thüringer Rostbratwurst, Rostbrätel oder Mutzbraten produziert und ausschenkt, lebt zwischen Fleischer-Innung und Gastronomie. Der Verband begleitet diese Berufsgrenze aktiv und arbeitet mit den Innungen daran, dass Nachwuchs gleichzeitig handwerkliches Wissen über Rohstoffe und gastronomische Kompetenz im Service mitbringt. Genau das hebt einen Thüringer Gasthof von einem austauschbaren Imbiss ab.
Der Verband betreibt eigene Nachwuchskampagnen, geht in Schulen und auf Berufsorientierungsmessen. Praktisch sieht das so aus: Ein Hotel auf dem Rennsteig bildet seine Restaurantfachkräfte zusammen mit einer Berufsschule in Suhl oder Ilmenau aus, ein Klassiker-Hotel in Weimar schickt seine Lehrlinge nach Erfurt-Plauen, und ein Cateringunternehmen in Jena kooperiert direkt mit der dortigen Berufsschule. DEHOGA Thüringen koordiniert dazwischen, sammelt Prüfungsergebnisse, organisiert Wettbewerbe und macht Lobbyarbeit, wenn Berufsschulstandorte zur Disposition stehen.
DEHOGA Thüringen: Aktuelle Themen 2026
Vier Themen dominieren die Pressearbeit 2026. Erstens die Mehrwertsteuer auf Speisen, die nach dem temporären Sieben-Prozent-Schub während der Energiekrise wieder als Dauerstreit gilt. DEHOGA Thüringen kämpft zusammen mit dem Bundesverband für eine dauerhafte Absenkung und argumentiert mit Betriebsschließungen im ländlichen Raum, vor allem im Thüringer Wald, im Schwarza-Tal und im Eichsfeld.
Zweitens der Fachkräftemangel. Thüringen verliert wie ganz Ostdeutschland Bevölkerung in den ländlichen Regionen, vor allem junge Menschen wandern in Richtung Erfurt, Jena, Leipzig oder weiter in den Westen. Für das Gastgewerbe heißt das: Lehrstellen bleiben offen, Saisonkräfte sind schwer zu finden, vor allem außerhalb von Erfurt und Weimar. Der Verband fordert vereinfachte Anerkennungsverfahren für ausländische Fachkräfte, schnellere Visa-Prozesse und gezielte Sprachförderung, dazu eine ehrliche Diskussion über ländliche Löhne und Wohnraum.
Drittens das Wirtshaussterben in Dörfern und kleinen Städten. In vielen Thüringer Dörfern gibt es heute keinen Gasthof mehr, der Versammlungsraum, Hochzeitsort und sozialer Mittelpunkt zugleich war. DEHOGA Thüringen drängt auf Förderprogramme für Wirtshausnachfolge, auf Bürokratieabbau bei Familienbetrieben und auf eine Auseinandersetzung mit der Erbschafts- und Schenkungssteuer bei Betriebsübergaben innerhalb der Familie. Im Thüringer Wald geht es bei diesem Thema nicht um Statistik, sondern um die Frage, ob ein Wanderweg überhaupt noch einen Einkehrpunkt findet.
Viertens Tourismus-Marketing. Thüringen lebt von Marken, die über Landesgrenzen hinaus ziehen: Weimar, Wartburg, Rennsteig, Erfurt-Altstadt. DEHOGA Thüringen drängt auf stärkere Bundes- und EU-Förderung, vor allem für ganzjährigen Tourismus jenseits der Wandersaison. Wintertourismus auf dem Rennsteig ist dabei ebenso Dauerthema wie die Frage, wie Bratwurst-Kultur, Bach-Festivals, Klassiker-Programme und Wandertourismus zu einer geschlossenen Marke Thüringen werden, ohne dass jede Region nur ihren eigenen Flyer druckt.







