Bremen ist klein, aber laut. Der Stadtstaat zählt nur rund 680.000 Einwohner, kommt aber mit zwei Städten daher: Bremen an der Mittelweser und Bremerhaven 60 Kilometer flussabwärts an der Nordseeküste. Dazwischen liegt niedersächsisches Umland, daneben Hafenbecken, Werften, Containerterminals und Kreuzfahrt-Anleger. Das Gastgewerbe lebt in dieser Hansestadt-Realität zwischen Weser-Promenade und Atlantik-Wind. Mittendrin sitzt DEHOGA Bremen als Landesverband im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Du bekommst hier den Überblick: Wer führt den Verband, welche Themen treibt er, wie tickt die Bremer Gastro-Szene und warum sind Schlachte, Ratskeller und Bremerhaven drei Spielfelder unter einem Dach? Anders als die großen Stadt-Schwestern Hamburg oder Berlin organisiert DEHOGA Bremen keine eigene Messe, dafür arbeitet er besonders eng mit Bremer Touristik-Zentrale und Erlebnis Bremerhaven an einer gemeinsamen Tourismus-Erzählung für ein Bundesland mit zwei Zentren.
DEHOGA Bremen: Zahlen & Fakten
Die Geschäftsstelle sitzt zentral in Bremen und ist die einzige Anlaufstelle für das gesamte Bundesland. Bremen ist Stadtstaat, das macht die Verbandsarbeit kompakt: Ein Senat, eine Bürgerschaft, eine Landesregierung, kurze Wege ins Rathaus. Hauptgeschäftsführer Detlef Pauls führt das operative Geschäft und ist erster Ansprechpartner für Presse, Politik und Mitgliedsbetriebe. Er vertritt das Bremer Gastgewerbe in Tarifrunden, Bürgerschafts-Anhörungen und auf Bundesebene gegenüber DEHOGA Bundesverband.
Die Mitgliederzahl liegt je nach Stichtag bei rund 1.200 bis 1.800 Betrieben. Das ist im Bundesvergleich klein, entspricht aber der Grösse des Stadtstaates. Das Spektrum reicht vom Imbiss am Marktplatz über Schlachte-Brauhäuser, Böttcherstraße-Cafes, Übersee-Stadt-Restaurants bis zu Hotels im Atlantic-Komplex Bremerhaven. Wichtig für die Verbandsarbeit: Bremen und Bremerhaven sind räumlich getrennt, branchenpolitisch aber eine Einheit. Die Geschäftsstelle koordiniert beide Standorte parallel und vertritt sie gemeinsam in der Bremischen Bürgerschaft.
Aufgaben & Schwerpunkte
DEHOGA Bremen arbeitet auf vier Ebenen. Erstens politische Interessenvertretung in der Bremischen Bürgerschaft und im Senat: Sperrzeiten, Lieferdienst-Regulierung, MwSt-Debatte, Straßenausschank an der Schlachte. Zweitens Tourismus-Marketing in enger Abstimmung mit der Bremer Touristik-Zentrale: Die Schlachte-Promenade entlang der Weser ist seit den neunziger Jahren ein Vorzeigeprojekt der Stadtentwicklung, eine knapp 660 Meter lange Flaniermeile mit Brauhäusern, Restaurants und Maritimer-Markt-Charakter. DEHOGA Bremen vertritt hier die Wirte gegenüber Stadtordnungsamt und Wasserschutzpolizei.
Drittens Marketing für Bremer Wahrzeichen-Gastronomie. Der Bremer Ratskeller unter dem Rathaus ist das Aushängeschild: älteste Weinhandlung Deutschlands, durchgehend seit 1405 in Betrieb, ausschließlich deutsche Weine, riesige historische Holzfässer. Das Rathaus selbst ist UNESCO-Welterbe, der Ratskeller damit Teil eines Weltkultur-Ensembles. Für DEHOGA Bremen ist er Storytelling-Anker, der weit über Bremen hinaus strahlt. Viertens Bremerhaven: Kreuzfahrt-Terminal, Klimahaus, Deutsches Auswandererhaus, Havenwelten, eine eigene Tourismus-Welt mit eigenem Hotelmarkt, eigener Gastro-Dichte und eigener Saisonalität.
Ausbildung in der Bremer Gastronomie
Bremen bildet über zwei IHK-Bezirke aus: IHK Bremen für die Stadt und IHK Bremerhaven für den Norden. Zentrale Berufsschul-Adresse für das Gastgewerbe ist das Schulzentrum SII Utbremen, das die theoretische Ausbildung für Köche, Restaurantfachfrauen und Hotelfachleute in Bremen bundelt. In Bremerhaven übernehmen Berufsschulen rund um den Schulcampus Carl-von-Ossietzky den nordmaritimen Teil mit Schwerpunkt Hotellerie und Veranstaltungsgastronomie.
Die Kernberufe sind klassisch: Koch, Restaurantfachfrau, Hotelfachfrau, Fachfrau für Restaurants und Veranstaltungsgastronomie, dazu der Hotelkaufmann. DEHOGA Bremen sitzt in den Prüfungsausschüssen, gestaltet Rahmenlehrpläne mit und betreibt aktives Azubi-Marketing: Tag der offenen Tür in der Geschäftsstelle, Berufsorientierungsmessen an Bremer Schulen, Kooperationen mit der Hochschule Bremerhaven für angehende Hotelbetriebswirte. Weiterbildungen Richtung Sommelier, F+B-Manager und Hotelbetriebswirt laufen über die IHK-Akademien und private Anbieter, oft kombiniert mit dualen Studiengängen an der Hochschule Bremen.
Aktuelle Themen 2026
Die große Debatte 2026 ist weiter die MwSt auf Speisen in der Gastronomie. Nach dem Ende der Sieben-Prozent-Regel zurück zu neunzehn Prozent kämpft der Bundesverband um die Wiedereinführung, DEHOGA Bremen begleitet das über die Bremer Bundesratsbank. Zweites Dauerthema: Fachkräftemangel. Bremen leidet wie alle Stadtstaaten unter knappen Wohnungen für Auszubildende, Bremerhaven zusätzlich unter strukturschwachen Stadtteilen rund um Lehe und Geestemünde, die als Wohnort weniger attraktiv sind.
Drittes Thema ist der Gastro-Boom in der Übersee-Stadt. Das ehemalige Hafenareal westlich der Innenstadt wandelt sich seit den 2000er Jahren zu einem Quartier mit Büros, Wohnungen, Kreativwirtschaft und neuer Gastronomie. Restaurants wie das Strandcafe Speicher I, Schuppen-Brauereien und Hafenkante-Bistros sind in den letzten Jahren entstanden. DEHOGA Bremen begleitet die Entwicklung, vermittelt zwischen Investoren, Quartiersmanagement und etablierten Schlachte-Wirten, die das neue Quartier teils als Konkurrenz wahrnehmen.
Viertes Feld ist das Beck's-Erbe. Bremen ist Beck's-Stadt: Die Brauerei am Weserufer braut seit 1873, gehört heute zu AB InBev und ist Teil der Stadt-DNA. Beck's-Brauerei-Touren, das Beck's am Markt am Rathausplatz und die Verbindung von Bier-Marketing und Gastronomie sind für den Verband ein Querschnittsthema zwischen Tourismus, Hotellerie und Bier-Brauerei-Vertrieb.







