Wenn du im März nach Hamburg fährst und nur in den Messehallen am Dammtor stehen bleibst, verpasst du den eigentlichen Geheimtipp der Woche. Parallel zur INTERNORGA läuft auf St. Pauli ein ganz anderes Format: die Gastro Vision im Empire Riverside Hotel. Kein Standmeter-Wettrennen, keine endlosen Hallengänge, keine Gabelstapler. Stattdessen Hotellobby-Stimmung, ein kuratierter Aussteller-Kreis und Gespräche, die nicht nach drei Minuten enden. Wer in der Gastronomie nach Konzept statt nach Volumen sucht, hat hier seit Jahren seinen Pflichttermin. Klaus Lutz und sein Verlag haben das Format über zwei Jahrzehnte gebaut, und der Charakter ist heute deutlicher denn je: Salon statt Messe, Profil statt Masse.
Was ist die Gastro Vision?
Die Gastro Vision wurde in den 2000er-Jahren von Klaus Lutz gegründet, einem Branchen-Verleger mit klarem Standpunkt: nicht jeder Gastronom braucht zehntausende Standmeter, um seine Lieferanten zu finden. Manche brauchen das Gegenteil, Ruhe, Atmosphäre, persönliche Begegnung. Aus dieser Idee wurde ein Veranstaltungsformat, das bewusst auf ein Hotel setzt statt auf eine Messehalle. Die Aussteller verteilen sich über mehrere Etagen, Konferenzräume und Lounges des Empire Riverside Hotel, und die Wege bleiben kurz.
Heute kuratiert das Team rund um den Gastro Vision Verlag rund 100 bis 150 Aussteller pro Ausgabe. Die Auswahl ist persönlich, nicht algorithmisch, wer dabei sein will, muss ins Profil passen. Premium, Bio, Manufaktur, Innovation, Spitzenküche, exklusive Drinks. Das schließt große Volumen-Marken nicht generell aus, aber sie sind die Ausnahme, nicht die Regel. Damit ist die Gastro Vision das Gegenstück zu den klassischen Branchen-Riesen wie INTERNORGA, Anuga oder Internorga-Side-Events: nicht größer, sondern bewusst kleiner.
Termine & Zahlen
Die Gastro Vision 2026 läuft von Freitag, 6. März, bis Sonntag, 8. März 2026, parallel zum Auftakt der INTERNORGA in den Hamburger Messehallen. Veranstaltungsort ist das Empire Riverside Hotel an der Bernhard-Nocht-Straße auf St. Pauli, direkt am Hafen, mit Elbblick und einer der besten Skybars der Stadt im 20. Stock. Geöffnet ist die Gastro Vision an allen drei Tagen tagsüber, Eintritt für Fachbesucher ist kostenlos.
Du registrierst dich vorab online und bekommst dein Badge digital aufs Handy. Endverbraucher haben keinen Zutritt, der Nachweis als Profi aus Gastronomie, Hotellerie, Catering oder Lebensmittelhandel ist Pflicht. Genau diese Schwelle hält die Atmosphäre stabil: du triffst auf 100 bis 150 Ausstellern keine Touristen, sondern Kollegen. Drei Tage reichen entspannt, um alles zu sehen, kein Vergleich zum Anuga-Marathon, wo du fünf Tage rennst und trotzdem die Hälfte verpasst.
Aussteller-Profil
Wer auf der Gastro Vision ausstellt, gehört in eine von vier Welten. Erstens: Bio- und Premium-Manufakturen aus Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz. Olivenöle aus apulischen Familienbetrieben, Käse aus Tiroler Almkäserei, Schinken aus dem Schwarzwald, Senf aus handwerklicher Produktion. Zweitens: Food- und Beverage-Startups, oft im zweiten oder dritten Jahr nach Gründung, mit Produkten, die du in zwei Jahren auf jeder Sterne-Karte siehst. Alternative Proteine, fermentierte Sossen, regionale Limonaden, funktionale Getränke.
Drittens: exklusive Spirituosen-Brennereien und kleine Weingüter. Gin-Manufakturen, Single-Cask-Whiskys, Naturweine, Craft-Vermouth, alles, was klassische Großhändler nicht im Sortiment haben. Viertens: Marken aus dem Umfeld bekannter Spitzenköche, oft als deren persönliche Produkt-Linien oder Kollaborationen. Gewürze, Saucen, Equipment, Cookbooks. Was du auf der Gastro Vision nicht findest: Industrie-Tiefkühlware, Massenproduzenten, generische Hotellerie-Lieferanten. Genau dafür gibt es zwei S-Bahn-Stationen weiter die INTERNORGA.
Gastro Vision vs. INTERNORGA
Die INTERNORGA in den Hamburger Messehallen ist eine der größten Gastro-Messen Europas. Rund 1.300 Aussteller, über 90.000 Besucher, sieben volle Hallen. Wenn du Volumen brauchst, Spülmaschinen, Konvektomaten, Kassen-Systeme, Mehl-Lieferanten für eine Hotelkette, bist du dort richtig. Die INTERNORGA ist das Pflichtprogramm für Einkaufsleiter, Kettenbetreiber und Beschaffungs-Profis.
Die Gastro Vision spielt eine andere Liga, nicht kleiner im Wert, aber anders im Charakter. Statt 1.300 Aussteller siehst du 100 bis 150. Statt sieben Hallen ein Hotel. Statt Volumen-Einkauf Konzept-Suche. Die Zielgruppe ist klar verschoben: hier triffst du Boutique-Hoteliers, Konzept-Gastronomen, Sterne-Köche, Bar-Chefs und kleine Caterer mit Profil. Beide Veranstaltungen schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. Die schlauen Profis machen beides in der gleichen Reise, vormittags Salon, nachmittags Halle.







