Wenn du Bio in deiner Karte ernst meinst, führt im Februar kein Weg an Nürnberg vorbei. Die BIOFACH ist die Weltleitmesse für Bio-Lebensmittel, kein nationaler Branchentreff, sondern der zentrale Pilgerort der gesamten Bio-Welt. Rund 2.500 Aussteller aus mehr als 100 Ländern stellen vier Tage lang aus, 35.000 Fachbesucher reisen an. Demeter-Hof aus dem Allgäu trifft auf italienischen Olivenöl-Erzeuger, peruanische Kakao-Kooperative trifft auf bayerische Bio-Brauerei. Für Gastronomen, die mit Bio arbeiten oder dahin wollen, ist die BIOFACH Pflichttermin Nummer eins, und zwar nicht im übertragenen Sinn. Wer ernsthaft Bio sourcen will, kommt einmal im Jahr nach Nürnberg.
Was ist die BIOFACH?
Die BIOFACH wurde 1990 gegründet, damals in Ludwigshafen als kleine Pionier-Messe der noch jungen Bio-Branche. 1999 zog sie nach Nürnberg um und ist dort seitdem fest verankert. Getragen wird sie von zwei starken Säulen: der NürnbergMesse GmbH als Veranstalter und dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BOELW) als ideellem Partner. Der BOELW vertritt Hersteller, Verarbeiter und Händler von Bio-Lebensmitteln in Deutschland und sichert der Messe ihren Status als offizielle Weltleitmesse.
Parallel zur BIOFACH läuft die Vivaness, die Schwestermesse für Naturkosmetik und Wellness. Rund 250 Vivaness-Aussteller ergänzen das Bio-Lebensmittel-Programm um zertifizierte Naturkosmetik, Bio-Pflegeprodukte und Wellness-Konzepte. Ein Ticket gilt für beide Messen, die Hallen sind nebeneinander. Für Gastronomen ist die BIOFACH-Hälfte die wichtigere, aber Hoteliers mit Spa-Bereich schauen oft auch bei der Vivaness rein.
Im internationalen Vergleich ist die BIOFACH konkurrenzlos. Die Natural Products Expo West in Anaheim spielt zwar in einer ähnlichen Grössenordnung, ist aber stark auf den US-Markt fokussiert. Die französische Natexpo Paris und die italienische Sana Bologna sind kleiner und regionaler. Wenn du eine einzige Bio-Messe besuchen kannst, ist es die BIOFACH.
BIOFACH 2026 Rückblick
Die BIOFACH 2026 läuft vom 10. bis 13. Februar 2026 auf dem Gelände der NürnbergMesse. Vier volle Messetage, von Dienstag bis Freitag, dazu der parallele Vivaness-Auftritt. Erwartet werden rund 2.500 Aussteller aus mehr als 100 Ländern und etwa 35.000 Fachbesucher. Damit liegt die Messe wieder auf dem Niveau vor der Pandemie, nachdem die Ausgaben 2021 und 2022 unter Einschränkungen liefen.
Die Themenwelten sind über mehrere Hallen verteilt: frische Lebensmittel, trockene Sortimente, Tiefkühl, Getränke, Spirituosen, Bio-Backwaren und Naturkost-Großhandel. Internationale Pavillons bündeln Aussteller nach Herkunftsländern, Italien, Frankreich, Spanien, Türkei, Südamerika und Asien sind traditionell stark vertreten. Die Eintrittskarten sind reine Fachbesucher-Tickets und kosten im Vorverkauf rund 60 bis 80 Euro pro Tag, an der Tageskasse mehr. Endverbraucher haben keinen Zutritt.
Ein Tag reicht für einen Überblick, drei Tage brauchst du für ernsthaftes Sourcing. Plane realistisch: Es sind große Hallen, und du läufst leicht zehn bis fünfzehn Kilometer pro Tag. Das offizielle Rahmenprogramm der NürnbergMesse bündelt parallel mehr als 200 Vorträge, Diskussionen und Tastings im BIOFACH-Kongress, von Marktanalysen bis zu Produkt-Workshops. Wer gezielt vorbereitet kommt, holt aus drei Tagen mehr Wissen als aus einem halben Jahr Branchenmedien.
Aussteller-Profil
Das Aussteller-Spektrum der BIOFACH deckt die gesamte Bio-Wertschöpfungskette ab. Bio-Großhändler wie Bodan, Weiling oder Naturkost Elkershausen sind mit großen Ständen vertreten und zeigen Sortimente von tausenden Produkten. Daneben sind hunderte regionale Bio-Höfe direkt anwesend, vom Allgäuer Heumilch-Bauern bis zum brandenburgischen Bio-Gemüseanbau. Diese Direktansprache ist einer der wertvollsten Aspekte der Messe.
Die deutschen Anbauverbände treten geschlossen auf. Demeter, Bioland und Naturland haben jeweils eigene Sammelstände mit dutzenden Mitgliedsbetrieben, ideal, wenn du nach einer bestimmten Zertifizierung suchst. Auch die kleineren Verbände Biokreis, Gaea und Biopark sind in der Regel vor Ort.
Bio-Spirituosen sind ein eigenes Wachstumssegment: Bio-Gin, Bio-Whisky, Bio-Wein, Bio-Wermut. Wer eine Bar mit Bio-Anspruch führt, findet hier Produzenten, die im normalen Handel nie auftauchen. Dazu kommen Naturkost-Lieferanten für trockene Sortimente, Bio-Tiefkühl-Anbieter und spezialisierte Fleisch- und Wurst-Hersteller mit Bio-Zertifikat.
Die internationalen Pavillons sind das andere große Highlight. Italienische Olivenöl-Erzeuger, französische Bio-Winzer, spanische Mandel-Kooperativen, türkische Trockenfrüchte-Verarbeiter, du bekommst Zugang zu Erzeugern, die du sonst nur über Importeure erreichst. Lateinamerikanische Pavillons mit Kaffee-, Kakao- und Quinoa-Kooperativen sind seit Jahren ein wachsender Block, dazu indische und afrikanische Aussteller, die direkte Beziehungen suchen statt Zwischenhandel.
BIOFACH-Awards
Die BIOFACH verleiht jedes Jahr eine ganze Reihe von Auszeichnungen, die in der Branche genau verfolgt werden. Der "Best New Product Award" kürt in mehreren Kategorien die besten Produktneuheiten der Messe, vom Bio-Brot über alkoholfreie Bio-Drinks bis zu pflanzlichen Alternativen. Wer den Award gewinnt, hat danach in der Naturkost-Listung deutlich bessere Karten.
Die "Bio-Brand of the Year"-Auszeichnung geht an Marken mit starkem Wachstum und glaubwürdiger Bio-Positionierung. Daneben gibt es spezielle Awards für Bio-Gastro-Innovationen, etwa für neue Konvenience-Konzepte oder Catering-Lösungen mit Bio-Schwerpunkt. Auch die "Mensch & Umwelt"-Auszeichnung für Nachhaltigkeits-Pionierleistungen ist seit Jahren etabliert. Für Gastronomen sind diese Award-Listen eine schnelle Vor-Selektion, wer hier auftaucht, ist in der Regel ernstzunehmen und liefert die Storys, mit denen sich Bio auf der Karte erklären lässt.







