Es ist Donnerstagabend in Lübeck. In einer Lehrküche unweit der Altstadtinsel stehen ein knappes Dutzend Berufskoechinnen und Berufsköche um einen Edelstahltisch, einer filetiert einen Dorsch aus der Lübecker Bucht, eine andere reduziert eine dunkle Marzipan-Sauce zu Wildbret, daneben diskutieren zwei ueber die richtige Saeurefuehrung bei einem Apfel-Chutney zur Ostsee-Forelle. Niemand traegt Servicekleidung, niemand schielt auf die Uhr. Das hier ist Vereinsabend im Verein der Köche Lübeck.
Lübeck ist Hansestadt, UNESCO-Welterbe und traegt mit dem Holstentor eines der bekanntesten Stadttore Europas. Gastronomisch arbeitet die Stadt in einem eigenen Tonfall, der weder reine Kieler Marineküche noch reine Hamburger Hafengastronomie ist. Wer hier in einer professionellen Küche steht, kocht zwischen Ostsee, Travemuende, Marzipan-Tradition und Wildbret aus den schleswig-holsteinischen Forsten. Genau dieser Mischbereich ist das Feld, in dem der Lübecker Kochverein arbeitet.
Zahlen und Fakten zum Verein
Der Verein der Köche Lübeck e.V. ist als Zweigverein im VKD-Landesverband Nord organisiert. Der Verband der Köche Deutschlands ist der bundesweite Dachverband mit Sitz in Frankfurt, der Landesverband Nord wiederum umfasst Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern und gliedert sich in mehrere Zweigvereine. Lübeck ist darin ein eigenstaendiger Knotenpunkt, weil hier die meisten Hotels, Tagungsbetriebe und gehobenen Restaurants des oestlichen Schleswig-Holstein dicht beieinander liegen.
Die Mitgliederzahl wird bandbreitig im Bereich von rund 30 bis 60 Berufskoechinnen und Berufsköchen angegeben. Das ist ein realistischer Korridor fuer einen Zweigverein in einer Stadt mit gut 220.000 Einwohnern, der nicht jede Adresse einzeln pflegt, sondern eine aktive Kernmannschaft hat, dazu Senioren und passive Mitglieder. Konkrete Vorstandsnamen werden hier bewusst nicht ausgewiesen, weil die Wahl alle zwei Jahre stattfindet und tagesaktuelle Belege nicht oeffentlich abrufbar sind. Wer den aktuellen Vorstand braucht, fragt direkt beim Landesverband Nord oder ueber bestehende Mitglieder in der Lübecker Gastronomie.
Die Geschaeftsstelle wird privat gefuehrt. Eine eigene Vereinsdomain mit durchgaengig gepflegtem Webauftritt ist nicht durchgaengig sichtbar, was fuer Zweigvereine dieser Groesse nicht ungewoehnlich ist. Kommunikation laeuft viel ueber Telefon, E-Mail-Verteiler und die etablierten Strukturen des Landesverbands Nord.
Aktivitaeten zwischen Stammtisch und Marzipan-Saison
Das Vereinsleben in Lübeck laeuft auf mehreren Spuren. Da sind die regelmaessigen Stammtische, die als lockerer Treff dienen und fuer Mitglieder den Einstieg zurueck in die Vereinsroutine sind, wenn Saison und Schichtdienst das letzte Mal eine Weile vor dem Treff lagen. Da sind die Fachabende mit Vortrag oder gemeinsamem Kochen, oft saisonal getaktet, mit Themen vom Ostsee-Hering ueber den Dorsch bis zur Wildbret-Verarbeitung im Spaetherbst.
Ein eigener Bezug ist die Lübecker Marzipan-Tradition. Niederegger produziert seit 1806 in der Stadt und ist als Marke ueber die Region hinaus zur Identitaetsmarke geworden. Wer in Lübeck in der Patisserie oder in der gehobenen Hotellerie arbeitet, hat zwangslaeufig mit Marzipan zu tun, sei es in der klassischen Form als Pralinen-Begleitung, sei es in modernen Reduktionen zu Wild oder als Brueckenelement zwischen Hauptgang und Dessert. Der Kochverein begleitet diese Themen mit eigenen Fachabenden, in denen es nicht um Folklore geht, sondern um saubere Verarbeitung, um Lagerung, um den Umgang mit Rohmarzipan in der profibetrieblichen Küche.
Dazu kommt das Engagement im Umfeld der IHK zu Lübeck, die in der Hansestadt ihren Sitz hat und Pruefungen sowie Berufsausbildung fuer Koechinnen und Köche organisiert. Mitglieder des Kochvereins sitzen regelmaessig in Pruefungsausschuessen, das ist Teil des berufsstaendischen Selbstverstaendnisses. Wer den Nachwuchs ernst nimmt, ist hier sichtbar.
Travemuende kommt als zweiter Schwerpunkt dazu. Der Lübecker Stadtteil an der Ostsee ist im Sommer ein eigener Mikro-Kosmos mit Strand-Hotels, Yacht-Club-Küche und Tagesgaesten aus ganz Norddeutschland. Die Saisonspitze im Juli und August traegt einen relevanten Teil des Umsatzes der Region und damit auch der Arbeitsplaetze in den Küchen. Der Verein nimmt diesen Rhythmus mit, mit Themen zur Personalplanung in der Hochsaison oder zur Kalkulation in einem Vier-Monats-Sprint.

