Berlin lebt vom Gastgewerbe. Rund 14.000 Restaurants, Bars, Hotels und Klubs prägen den Alltag in zwölf Bezirken, von der Sterneküche in Charlottenburg bis zum Spätkauf-Tresen in Wedding. Mittendrin steht DEHOGA Berlin als Stadtverband im Deutschen Hotel- und Gaststättenverband. Du bekommst hier den Überblick: Wer führt den Verband, welche Themen treibt er, wie hängt er mit den Berufsschulen zusammen und warum ist die Hauptstadt-Gastronomie ein eigenes Spielfeld? Berlin ist 24/7-Stadt, Touristik-Magnet mit über zehn Millionen Übernachtungen und eine politische Bühne. All das landet auf dem Schreibtisch in der Goethestraße. Kein anderer Landesverband hat eine vergleichbare Mischung aus Sterneküche, Klubszene, Touristenstrom und politischer Nähe zum Bundestag.
DEHOGA Berlin: Zahlen & Fakten
Die Geschäftsstelle liegt in der Goethestraße in Berlin-Charlottenburg, wenige Minuten vom Bahnhof Zoo entfernt. Das ist kein Zufall: Charlottenburg ist historisch die Heimat der Berliner Hotelverbände, hier sitzen auch viele klassische Häuser wie das Kempinski Bristol oder das Waldorf Astoria in Fußweite.
Berlin zählt rund 14.000 Betriebe im Gastgewerbe. Die Zahl bewegt sich je nach Statistikquelle und Stichtag, sie umfasst Hotels, Restaurants, Bars, Klubs, Cafés und Imbisse. Davon sind 2.500 bis 3.500 Betriebe Mitglied bei DEHOGA Berlin. Der Organisationsgrad ist damit niedriger als im Bundesschnitt, das hat strukturelle Gründe: Berlin hat überdurchschnittlich viele kleine, inhabergeführte Adressen mit migrantischem Hintergrund, viele davon sind nicht in klassischen Verbänden organisiert.
An der Spitze steht seit 2025 Präsidentin Christina Tielmann. Sie ist die operative Stimme nach außen, gibt Interviews und vertritt den Verband bei großen Branchenterminen. Hauptgeschäftsführer ist Thomas Lengfelder, eine feste Größe in der Berliner Verbandslandschaft. Er managt das Tagesgeschäft, koordiniert Pressearbeit und ist seit vielen Jahren Ansprechpartner für Politik und Medien.
Die Mitgliedsbeiträge richten sich nach Betriebsgröße und Umsatz. Kleine Bistros zahlen niedrige dreistellige Beträge im Jahr, große Hotels mit hunderten Zimmern entsprechend mehr. Dafür gibt es Rechtsberatung, Tarifinformationen, Versicherungspakete und Zugang zu Netzwerken, die einzelne Wirte sich kaum selbst aufbauen können.
Aufgaben & Schwerpunkte
Die Aufgabenliste ist lang, das Themenspektrum reicht von Politik über Tourismus bis Personalfragen. Der Stadtverband arbeitet auf mehreren Bühnen. Im Berliner Abgeordnetenhaus lobbyiert er für Hotellerie und Gastronomie, vor allem bei Themen wie Mehrwertsteuer, Mietpreisen und Sperrzeiten. Letzteres ist ein Dauerbrenner: Berlin gilt als 24-Stunden-Stadt, doch zwischen Anwohnerschutz und Klubkultur entstehen ständig neue Konflikte. DEHOGA Berlin verhandelt mit dem Senat über Lärmschutz, Außenbestuhlung und Genehmigungsverfahren.
Touristik ist das zweite große Feld. Der Verband ist Partner von visitBerlin, der Tourismus-Marketinggesellschaft des Landes. Gemeinsam werden Kampagnen für Hotelübernachtungen, Kongressmarketing und Stadtreisen aufgesetzt. Bei großen Events wie der ITB, der Fashion Week oder der Berlinale stellt DEHOGA Berlin die Branchenstimme.
Beim Mindestlohn sitzt der Verband am Tisch, wenn auch zähneknirschend. Berlin hat traditionell ein hohes Lohnniveau im Gastgewerbe, was Inhaber unter Druck setzt. Auch die Mietpreis-Lobby gehört zum Kerngeschäft: Steigende Gewerbemieten in Mitte, Kreuzberg und Prenzlauer Berg verdrängen alteingesessene Wirte. Der Verband fordert seit Jahren Schutzklauseln für Gastronomieflächen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Bürokratiekritik. Berliner Wirte beklagen lange Genehmigungswege für Außenflächen, komplizierte Hygienevorgaben und uneinheitliche Praxis zwischen den Bezirksämtern. Der Verband sammelt Beschwerden, bringt sie in den Senat und arbeitet an Standardisierungen. Auch die Digitalisierung der Verwaltung steht auf der Liste: vom elektronischen Gewerberegister bis zur digitalen Hygieneampel.
DEHOGA Berlin & Ausbildung
Ohne Nachwuchs läuft nichts, und der ist knapp. Die Ausbildung ist Pflichtprogramm, nicht Kür. DEHOGA Berlin arbeitet eng mit zwei zentralen Berufsschulen zusammen: dem OSZ Gastgewerbe in Charlottenburg-Wilmersdorf, das Köche, Restaurant- und Hotelfachkräfte ausbildet, und der Brillat-Savarin-Schule in Pankow, benannt nach dem französischen Gastrosophen, ebenfalls eine zentrale Adresse für Gastro-Berufe.
In den IHK-Prüfungsausschüssen der IHK Berlin sitzen Verbandsvertreter und nehmen Zwischen- und Abschlussprüfungen ab. Das hält den Draht zur Praxis. Daneben läuft Ausbildungsmarketing: Messeauftritte, Schulkooperationen, Imagekampagnen für die klassischen Berufe Koch, Hotelfachmann, Restaurantfachfrau. Die Quote der unbesetzten Ausbildungsstellen ist hoch, und der Verband versucht, dem mit Sichtbarkeit zu begegnen. Praktikumsbörsen, Tage der offenen Küche und Schulklassen-Besuche in Hotels gehören zum Standardprogramm. Jeder gewonnene Azubi zählt.
Aktuelle Themen 2026
Drei Themen dominieren die Agenda 2026. Die MwSt-Debatte ist Dauerthema. Nach der Rückkehr zu 19 Prozent auf Speisen und der erneuten Reduzierung auf 7 Prozent ringt die Branche um Planungssicherheit. DEHOGA Berlin macht Druck auf Bundes- und Landesebene, dass der reduzierte Satz bleibt.
Der Fachkräftemangel ist die zweite Großbaustelle. In Berlin sind rund 8.000 Stellen im Gastgewerbe unbesetzt, von der Servicekraft bis zum Souschef. Der Verband wirbt für vereinfachte Anerkennungsverfahren ausländischer Abschlüsse, schnellere Visa für Drittstaaten und bessere Arbeitsbedingungen.
Die Tourismus-Erholung nach der Pandemie ist weitgehend abgeschlossen, die Übernachtungszahlen liegen wieder auf Vorkrisenniveau. Trotzdem klagt die Branche über volatile Buchungslagen und ein verändertes Reiseverhalten. Ein dunkles Kapitel bleibt die Sicherheitslage in einzelnen Innenstadt-Bezirken: Übergriffe rund um Alexanderplatz, Görlitzer Park oder Kottbusser Tor schaden Hotellerie und Gastronomie. DEHOGA Berlin fordert mehr Polizeipräsenz und sauberere öffentliche Räume.
Hinzu kommen Energiepreise, die seit 2022 das Margenniveau drücken. Auch wenn die Spitzen abgeebbt sind, bleiben Strom, Gas und Lebensmitteleinkauf teurer als vor der Krise. Der Verband berät Mitglieder bei Energiebeschaffung, Förderprogrammen und Effizienzmaßnahmen. Nachhaltigkeit ist dabei kein Marketinglabel, sondern handfeste Kostenfrage.
Ein weiteres Querschnittsthema ist die Digitalisierung der Betriebe. Online-Reservierungen, dynamische Preisgestaltung in der Hotellerie, Bewertungsmanagement bei Google und TripAdvisor: Was kleine Familienbetriebe oft überfordert, gehört für größere Häuser längst zum Standardgeschäft. Der Verband bietet Schulungen, Beratung und Kontakte zu Dienstleistern. Auch das Thema KI im Service, von der automatisierten Anfragebeantwortung bis zur Personalplanung, wird langsam relevant. Berlin als Tech-Hauptstadt liefert die Software-Anbieter quasi vor der Haustür.







