Der Koch machte ihm keins. „Ich habe das Fenster geöffnet und geantwortet: 'Hau ab, ich bringe gerade meine Kinder ins Bett.'"
Ganz fremd sind sich die beiden Welten nicht. Oliver hat drei Jahre lang das Catering für Manchester City gemacht, den Lieblingsverein der Gallagher-Brüder. Das Oasis-Comeback hat er sich im Wembley-Stadion angesehen. „Eigentlich hasse ich Wembley – es ist zu groß, und der Sound ist meistens bescheiden. Aber die Band war großartig, Liams Stimme war auf den Punkt."
Jamie Oliver über Kochen und Liebe
Das Gespräch führte Oliver im Düsseldorfer Hotel Breidenbacher Hof, Anlass war sein neues Kochbuch „Fast Food. Gut kochen in 20 Minuten". Der Brite ist inzwischen 51.
Ein Satz daraus passt in jedes Dating-Profil: „Ich denke, für jemanden zu kochen, ist eine wunderschöne Art zu sagen: 'Ich liebe dich.' Nicht nur: 'Ich mag dich.'"
Oliver bekommt dazu Rückmeldungen aus dem Publikum. Eine erzählt er nach: „Ich habe dieses Gericht beim ersten Date für meine Freundin gekocht, und Jahre später gab es das auf unserer Hochzeit für 150 Gäste."
Allein steht er in der Küche selten gern. Wenn ihn Traurigkeit oder Einsamkeit erwischt, stellt er das Handy neben den Topf und facetimet mit einem Freund. Dazu laufen Playlists – 96 Stunden Musik hat er auf Spotify gesammelt.
Jamie Oliver: 20 Minuten, Legasthenie und ein Boss namens Publikum
Die 20 Minuten im Buchtitel sind keine Marketing-Zahl. So viel Zeit verbringen Menschen unter der Woche heute maximal am Herd. Vor 25 Jahren lag der Schnitt bei 46 Minuten.
Beim Schreiben hilft ihm Routine mehr als Talent: Oliver ist Legastheniker und hat seine ersten drei Bücher diktiert, keinen Satz davon selbst geschrieben.
Beim Thema Ernährung wird er deutlich. Den Protein-Trend nennt er „der größte Quatsch in der Ernährungswissenschaft, eine komplette Lüge" – die eigentliche Debatte müsste um Ballaststoffe gehen. Und vegan? „Ich mag keine Etiketten." Er arbeitet gern mit dem deutschen Creator Julius Fiedler aus Meerbusch.
Wen er sich beim Rezeptschreiben vorstellt, kann er genau sagen: „eine Person Mitte 30, weder spezifisch männlich noch weiblich". Zutaten, die er im normalen Supermarkt nicht sofort bekommt, streicht er. „Es ging mir nie darum, ein Promi oder Aktivist zu sein – mein Boss ist das Publikum."
Über deutsches und englisches Essen sagt er nur: „Man findet in beiden Ländern phänomenales Essen, man muss nur hinschauen."
Das Wichtigste im Überblick:
- Liam Gallagher forderte nachts angetrunken ein Schinken-Sandwich, Oliver lehnte ab
- Drei Jahre Catering für Manchester City, Oasis-Comeback in Wembley gesehen
- Neues Buch: „Fast Food. Gut kochen in 20 Minuten" – 20 statt 46 Minuten wie vor 25 Jahren
- Oliver ist Legastheniker und hat seine ersten drei Bücher diktiert
Mehr über Jamie Oliver: seine Auszeichnung als Inspirational Chef of the Decade in Düsseldorf. Zum Thema Etiketten beim Essen: was Tim Mälzer über vegane Ernährung sagt.
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