300 Euro kostet ein Menü bei Tim Raue heute. Elf Restaurants, laut Guide Michelin zwei Michelin-Sterne, ein fester Platz als Juror bei "The Taste" auf SAT.1. Was hinter dieser Karriere steckt, hat Raue selten so direkt auf den Punkt gebracht wie in der ARD-Monitor-Reportage "Arm sollst du bleiben? Das Los der Herkunft".
Tim Raue Kindheit in Berlin-Kreuzberg
Der 52-Jährige wuchs in Kreuzberg auf, in Verhältnissen, die er nicht beschönigt. "Hunger zu haben bedeutet, dass du eine Leere in dir hast, die so tief ist, dass es wie ein schwarzes Loch ist, in das man nur noch fällt", sagt er in der Reportage. Der nächste Satz lässt wenig Spielraum für Romantisierung: "Es ist brutale Scham."
Gemeinsam mit dem Kamerateam kehrt Tim Raue an die Orte seiner Kindheit zurück. An einem Schaufenster bleibt er stehen und erinnert sich sofort: "Hier war übrigens mal eine Currywurst-Bude drin." Damals war so eine Bude mehr als ein Imbiss. Eine Portion Pommes beschreibt er als Schatz. Wer eine hatte, musste sie verteidigen. Raue tat das auf seine Weise, indem er daraufspuckte. "Nicht gut, aber warm im Magen."
Die Scham sitzt bis heute
Was die Reportage von einem gewöhnlichen Promiporträt unterscheidet: Raue erzählt nicht von einer überwundenen Vergangenheit. Der Hunger sitze noch "in jeder Zelle". "Das ist in mir drinnen und das ist bis heute da."
Er war Mitglied der Kreuzberger Straßenbande "36 Boys". Nicht als skurrile Anekdote für Talkshows, sondern als Teil eines Alltags, in dem es schlicht darum ging, irgendwie durchzukommen. Diese Prägung hat seine Sicht auf Erfolg, Essen und die eigene Karriere dauerhaft geformt.
Warum Tim Raue Koch wurde
Der Weg zur Gastronomie war kein romantischer Berufswunsch. Raue hat erklärt, dass er früh verstand: Wer in einer Küche steht, hat Zugang zu Essen. Das war das eigentliche Kalkül hinter dem Einstieg in den Kochberuf. Aus diesem pragmatischen Start ist heute eine internationale Karriere geworden, mit Restaurants, bei denen Gäste Beträge bezahlen, die für den jungen Raue ein ganzes Jahr Lebensmittel bedeutet hätten.
Wer mehr über seinen Werdegang lesen will, findet den Überblick im Tim-Raue-Profil. Den Blick auf seine Berliner Restaurantwelt bietet der Artikel über Tim Raues Restaurant.







